Na, dann will ich mal...
Ich habe diese Rasse, weil ich sie mag! Wir sind vor vielen Jahren durch Zufall und ohne Ahnung an einen Bock gekommen, zusammen mit einer Heidschnucke. Die Schnucke gefiel uns nicht so sehr, also suchten und fanden wir weibliche Romanovschafe. Ich züchte zwar im Herdbuch, trotzdem ist es eine Hobbyhaltung. Mein Mann schlachtet nach Bedarf, und wenn die Felle gut sind, denn es ist ja ursprünglich (und immer noch) eine Pelzschafrasse. Daher auch die große Zahl der Lämmer (Zwillinge bis Vierlinge sind "normal"), denn es wurden damals schon früh Lämmer geschlachtet, um die dann noch schwarzen Fell zu bekommen - die Rasse ist bis in die 1950iger Jahre in Russland eine sehr bedeutende Wirtschaftsrasse gewesen, aber eben wegen der Felle und nicht wegen des Fleisches. Auch die Wolle war sehr wichtig, sie filzt gut und war das Material für die damals sehr beliebten "Walenki"-Filzstiefel. Die sind heute übrigens wieder im Kommen, modisch etwas aufgepeppt. Soweit kurz zur Geschichte dieser Rasse, die es so, nur anfangs deutlich kleiner (in etwa wie heutige Skudden) mindestens schon seit dem 18. Jahrhundert gibt. Muttertiere wiegen so um die 55 Kg, Böcke zwischen 70 und 80Kg. Sie gehören zu den Nordischen Kurzschwanzschafen, was sehr praktisch ist, und sind hornlos; außerdem hat jedes Schaf individuelle weiße Zeichnungen an Kopf oder /und Beinen/Schwanz. Die Rasse ist asaisonal.
Wir haben sie in ganzjähriger Weidehaltung. Da lammen sie manchmal auch, allerdings versuche ich, sie vorher in die Box zu bringen, um besser kontrollieren zu können oder notfalls auch einzugreifen, und um die Mutter-Kind-Bindung sowie die zu mir besser aufbauen zu können. Geburtshilfe ist manchmal nötig, sei es, dass ein Lamm falsch liegt oder auch mal zwei zugleich rauswollen, aber ich denke doch, dass das nicht häufiger passiert als bei anderen Rassen auch. Dadurch, dass die Lämmer und vor allem auch die Köpfe klein sind, sind es meist leichte und problemlose Geburten, Geburtsgewichte variieren und liegen zwischen 1 und 3 Kg.
Es gibt Mütter, die auch Vierlinge ohne meine Hilfe (Flaschenzufütterung) alleine großziehen, allerdings versuche ich schon von Anfang an, ihnen die Flasche anzubieten - damit sie den Nuckel und die Trinktechnik kennen, falls es tatsächlich nötig sein sollte. Ich lasse aber immer alle Lämmer bei der Mutter und füttere höchstens nach Bedarf zu. Da ich meist nur 5-6 Muttern gleichzeitig mit Lämmern habe, ist das vom Zeitaufwand für mich machbar.
Wichtig für mich ist, dass ich die Lämmer von Anfang an an mich gewöhne, denn ich mag keine "Wildlinge". Die gibt es manchmal auch bei zutraulichen Müttern, andersrum hab ich auch von scheuen Müttern sehr neugierige und handfreundliche Lämmer gehabt - nur solche dürfen bei mir bleiben, denn es ist ja Hobby, das Spaß machen soll, und ein Weidewechsel mit leinenführigen Schafen ist dadurch weder für die Tiere noch für mich Streß!
Die Rasse ist zwar frühreif (schon mit ca. 3 Monaten "können" sowohl Jungs als auch Mädchen!!), aber doch nur langsam sich entwickelnd, weshalb ich Lämmer den Winter durchlaufen lasse, im Frühjahr werden sie geschoren, und jetzt so, passend zur Grillsaison, fängt die Schlachtung an, so dass es erstens ausreichend Fleisch und zweitens schöne Felle ergibt. Am Haken sind sie dann mit ca. 15 bis manchmal auch etwas über 20Kg immer noch nicht schwer, aber es ist eben keine Fleischrasse, sondern eher vergleichbar mit Heidschnucken. Andererseits ist aber auch das Fleisch von Alttieren (über 9 Jahre) noch lecker als Braten zu genießen. Mein ältestes Schaf ist jetzt 16, sie hatte mit 12 noch Drillinge aufgezogen, auch Böcke können mit über 10 Jahren noch erfolgreich decken.
Auch weibliche Tiere lasse ich ein Jahr durchlaufen, so dass sie mit 2 das erste Mal lammen - es ist für alle Beteiligten besser so!
Wie gesagt: ich hab diese Rasse nicht aus wirtschaftlichen Gründen, ich möchte sie so haben, wie sie in ihrem Ursprungsland Russland gewachsen ist. In den 1960iger Jahren wurden Romanovschafe erst nach Frankreich exportiert, um die Fruchtbarkeit der dortigen (Fleisch-)Rassen zu erhöhen, später auch in die Niederlande und vereinzelt nach Deutschland, außerdem hatten sich in den damaligen kommunistischen Nachbarländern Russlands teilweise große Zuchten etabliert. Von den französischen und holländischen Linien weiß ich, dass die Tiere im Laufe der Zeit deutlich größer geworden sind, von den östlichen habe ich keine Informationen. Das Problem des Im- oder Exports besteht darin, dass es nur sehr wenig G1-Tiere gibt (in Deutschland sind sie aus der Untersuchungspflicht raus), wobei da wohl gerade in Tschechien in den letzten Jahren sich was verändert hat.
Mit Kreuzungen hab ich nicht ganz so viele Erfahrungen, außer dass ich mal ein Milchschaf bekommen hatte und dadurch nun eine kleine Gruppe Mischlinge hier mit rumläuft. Zum Thema "Schlachttiererzeugung mit Fleischrassen" kann ich daher nichts sagen. Allerdings möchte ich für solche Überlegungen zu bedenken geben, dass es bei Einsatz großkopfiger oder schwerer Bockrassen auf kleinrahmige Romanovmuttern u.U. doch stärker zu Geburtsproblemen kommen dürfte - da wäre ich seehr vorsichtig! Mal abgesehen davon, dass ich es keiner Romanovmutter zumuten möchte, dann wohl deutlich schwerere Lämmer austragen zu müssen - es ist so schon ganz beachtlich, was sie da in den letzten Tagen an Gewicht mit sich rumschleppen muss!
Also: wenn Kreuzungen mit Fleischrassen, dann wohl eher Romanovbock auf Fleischschafmutter, bei der nächsten Generation kann man es evtl. auch umgekehrt machen, wenn es kräftige Tiere sind.
