Trockensubstanz Leberkupfer Blutspiegel

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Henry
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Re: Trockensubstanz Leberkupfer Blutspiegel

Beitrag von Henry »

Der Wilbur wurde auf einem verschütteten Deponiegelände ohne Mineralfuttergabe ausgetragen. Ein Teil seiner Eingeweide entwickelten sich in der Nabelschnur und führten zu bzw. erforderten nach der Lammung eine Operation und erheblichen Blutverlust. Der Kupfermangel trat dennoch erst später auf. Anzeichen war Entfärbung von Lidrändern und Nase. Später dann swagy back bis zu Festliegen.

Wir halten unsere Schafe hier in einem Gebiet mit sehr eisenreichem Wasser. Es handelt sich um Wasser mit einem Eisenoxid-Fällungsvermögen von weit, weit über den für Leitungsnetze akzeptablen Werten. Für die Blutbildung wahrscheinlich ideal - als Kupferantagonist eher problematisch.

Wir werden jetzt Schlachtlebern ins Labor geben und CuSO4 nach Lehrbuch drenchen. Ich bin gespannt.

Wilbur jedenfalls ist am Leben, kann aufstehen und auch rennen. Ganz standsicher ist er noch nicht. Und auch seine Nase ist fleckig rosa. Er kriegt alle 2 Tage jetzt 5 ml 1%ige CuSO4Pentahydratlsg. als einzige Therapie - und Milch, Wärme und Liebe natürlich.
Henry
der
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moony
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Re: Trockensubstanz Leberkupfer Blutspiegel

Beitrag von moony »

moin Henry,
das ist ja jetzt schon ein weilchen her. Was gab es für Ergebnisse?
moony
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Re: Trockensubstanz Leberkupfer Blutspiegel

Beitrag von moony »

Moin zusammen,

Aus aktuellem Anlass (enzootische Ataxie/delayed Swayback bei meinen Lämmern) hier eine kleine Korrektur:

1%ige CuSO4 Lösung, dh. 1g CuSO4 auf 100ml Wasser entsprechen nicht automatisch 1000mg Cu, sondern nur 255mg (bei Kupferpentahydrat). Das Kupfer ist in der Form an Wasser und Schwefel gebunden.

Gibt man nun 10ml von der 1%igen Lösung, so gibt man 25,5mg reines Kupfer, nicht 100mg. Der Referenzbereich für Cu in der Leber liegt bei 10-120mg/kg FS. Je nach Gewicht und Rasse des Tieres kann man sich dann ausrechnen, wieviel Cu das Schäflein eigentlich mindestens benötigt. Die Cu Gaben auf mehrere Gaben im Abstand von paar Tagen aufteilen, denn bei erheblichem Mangel den man auf einen Schlag ausgleichen will kommt es zu Störungen im Verdauungstrakt.
Ich sehe das wie du Henry, 0,1mg/kg LW ist damit viel zu wenig und deckt, je nach LW, Antagonisten in Wasser/Nahrung gerade so den Tagesbedarf eines MS.

Kleinere Schäden am Rückenmark können ggf. Soweit abheilen, dass das Lamm wieder rund läuft/die Einschränkungen in der Motorik nicht schlimmer werden.

Liegt es einmal wegen Cu-Mangel fest, dh. Sitzt wie ein Hund dar, sackt mit der Hüfte und den Hinterbeinen so weit ein, dass es umfällt, ist jede Aussicht auf Rettung dahin, da hilft auch Cu nicht mehr - die Schäden am Rückenmark sind irreversibel und Euthanasie die letzte Möglichkeit das Leid zu beenden. Blutproben sind nicht aussagekräftige, isb. Wenn Cu gegeben wurde; dies kann auch Leberproben verfälschen. Das deutlichste sind die Ergebnisse der Histo und Patho die eine Demyeliniserung der Nervenbahnen und Abbau von Hirnmaße zeigen.

Delayed Swayback ist, im Gegensatz zum klassischen Swayback bei Lämmern die damit Geboren wurden und nach wenigen Tagen versterben, nicht an die Geburt gebunden. Es kann bis zu 4 Monate nach Geburt auftreten und ist nur in seiner leichtesten/frühesten Form behandelbar.
Delayed Swayback resultiert ebenfalls aus Unterversorgung von Cu im Mutterschaf bei dem die Nervenbahnen im Lamm zwar noch richtig ausgebildet sind, es kommt aber kein Cu nach für das Wachstum, sodass die Nervenbahnen im Rückenmark und Hirn unwiderruflich degenerieren.

Sowohl beim Swayback nach der Geburt oder Delayed Swayback bei bereits eingetretener Hinterhandschwäche die dazu führt, dass das Lamm ohne Hilfe gar nicht stehen kann, kommt jede Hilfe zu spät und es besteht dringender Handlungsbedarf für Mutterschafen und Lämmer.

Kontraindikation: White Muscle Disease, dh. Selenmangel, kann ähnliche Symptome auslösen. Trial and Error hilft- sind die Symptome nicht innerhalb weniger Tage nach Selengabe verschwunden, hat's nicht am Selen gelegen.
moony
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Re: Trockensubstanz Leberkupfer Blutspiegel

Beitrag von moony »

Zusätzlich:

Ist der Wert von 0,1mg/Cu Bedarf gemittelt.
Bei einigen anderen Literaturquellen findet man Werte von 0,1mg/kg LW bis 0,18 mg/kg LW. Die 8 hinterm Komma sollte man nicht weg rationalisieren.
Gehe. Wir vom 70kg schweren MS aus liegt rassebedingt der "Optimalwert" entweder bei 7mg oder bei 12,6mg - Inder Trächtigkeit sogar noch höher.
Dann kommen da noch die Antagonisten zu. Eisen oder Molybdän verhindern km Körper die Cu Resorption. Viel Eisen im Grundwasser führt also zu einem noch höheren Bedarf zusätzlich zu den Rassebedingten unterschieden. Dann hat man vll. Noch schwermetallarme (eiszeitlichen) Böden in denen so gut wie kein Cu drinnen ist. Dh. Durchs Futter kommt nicht viel an im Schaf.

Nehmen wir an, das Mutterschaf wiegt 70kg, hat einen Rassebedingten Bedarf von 0,15mg/kg LW, also 10,5mg Cu pro Tag. Es ist hochtragend, damit erhöht sich der Bedarf um 2mg. Es kriegt nur Heu (2,5kg ges.) und Eisenreiches Wasser. Das Heu hat 5 mg Cu/kg.

Gesamtbedarf von 12,5mg/Tag. Futter hat alleine 12,5mg. Nun landen nicht die vollen 12,5mg im Schaf, da das Eisen die Aufnahme behindert. Hierzu gibt es keine Literatur und wieviel. Nehmen wir mal konservativ einen Verlust von 2mg durch das Wasser an.
In Summe entsteht ein Fehlbetrag von "nur" 2mg pro Tag. Nehmen wir an, die Schafleber wiegt 1kg frisch. Und hat einen Speicher von 50mg/kg FS.
Nach nur 25 Tagen wäre der Speicher leer, falls tatsächlich alles in der Leber mobilisiert werden kann, um den Bedarf zu decken.
Das halte ich für Recht unwahrscheinlich, dh. Das Lamm kriegt schon mit einem Mangel und nicht genug Reserven zur Welt.
Schockierende Rechnung. Ich glaube, wenn der Bestand eh auf Kante genäht ist, dann ist genau die Zeit des Mehrbedarfes im Winter der kritische Punkt.

Zur Einordnung: ich drenchen 4x im Jahr 100ml 1%ige Lösung an meine Herde. Also 255mg Cu in einem Durchgang. Schadet nicht- im Gegenteil, scheint immernoch zu wenig, sonst hätte ich nicht Lämmer mit Cu-Mangel induzierter Ataxie. Allerdings habe ich auch einer der Rassen mit dem höchsten Cu Bedarf gepaart mit dem Eisenreichen Wasser (da ist sogar schon ein Filter vorgeschaltet).

Tldr: Cu Mangel ist während der Trächtigkeit kann deutlich schneller auftreten als man denkt. Hängt aber am rassetypischen Bedarf, der Cu Lieferung durch Futter und Inhibitoren durch Wasser ab. Und 10ml 1%ige Lösung können m.M.n. in einer starken Mangelsituation auch beim Cu anfälligsten Schaf nicht ausreichen um die Speicher wieder aufzufüllen.
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