Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

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Becisaurus
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Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Becisaurus »

Hallo,
Eventuell weiss da jeder ausser mir aber ab wann bzw. ab welcher Menge an Tieren gilt ein Bestand nicht mehr als Hobbyhaltung und muss dementsprechend angemeldet werden ?
Von den Hühnern kenne ich es so, dass bis zu 300 Tiere als Hobbyhaltung anerkannt werden aber darüber nicht mehr.
Ist mein Bestand also Privat und Hobby so lange ich damit nichts verdiene oder geht es genau darum, hängt es mit dem Absatz durch Fleisch, Zuchttier, Milch, Wolle etc. zusammen ?
Kann ich theoretisch 1000 Schafe in der Landschaftspflege als Hobby halten so lange es nicht mein Haupterwerb ist? Ich blick da einfach nicht durch.
Danke und sorry für die blöde Frage.
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Henry
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Henry »

Es ist ganz einfach!
Alle Deine Annahmen sind falsch! (Auch die zu den Hühnern)
Schafhaltung (außer zu Versuchszwecken) erfolgt fast nie gewerblich, sondern stellt Urproduktion dar. Genau wie Imkerei, Forst- oder Teichwirtschaft. Die Frage nach der Menge läuft ins Leere, also.

Wer lebensmittelliefernde Tiere hält (genau geregelt in der VVVO) braucht eine Betriebsnummer. Ab dem ersten Tier. Genaugenommen sogar bevor er eines erwirbt, schon.
Sobald die Schafe dazu bestimmt sind, zum Lebensunterhalt beizutragen (weil sie Landschaftspflegegeld erwirtschaften oder gegessen werden oder sich einfach nur vermehren und damit den Wert der Herde vergrößern) wird von einer Nebenerwerbslandwirtschaft ausgegangen. Volles Programm: BG, SVLFG, Steuer
Es kommt nicht darauf an, ob etwas verdient wird. Die Absicht und die Möglichkeit zählen.

Es gibt also weder eine gewerbliche Schafhaltung noch gibt es Hobbyhaltung.
Henry
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Schafhüterin »

Jeder der Nutztiere hält und sind es nur eins ist verpflichtet, das/die Tier/e zu melden ... hier geht es auch um eine lückenlose Kontrolle, Dokumentation zum Beispiel bei Seuchen.

Wenn du mit deinen Schafen, oder mit Landschaftspflege, oder sonst was, Einnahmen erziehlst und diese wiederkehrend sind, sind sie ab einem bestimmten Betrag meldepflichtig. Ich glaube bis 260 Euro jährlich frei, lasse mich hier gerne korrigieren.

Dann wird vom Finanzamt geprüft, ob es sich dabei um eine reine Hobbyhaltung, oder um ein Gewerbe (z.B. Nebenerwerbslandwirt) handelt.

Du bekommst zur Prüfung eine Steuernummer zugeteilt und musst am Jahresende eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) einreichen, hier stellst du deine Einnahmen, deinen Ausgaben gegenüber. Dann wird sich zeigen, ob du mit, oder ohne Gewinnerziehlungsabsicht eingestuft wirst.
Für 2024 gilt: Kleinunternehmer (https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html). Ein Unternehmen, das bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschreitet, darf die Kleinunternehmerregelung anwenden. Im vorherigen Kalenderjahr max. 22.000 € Gesamtumsatz erwirtschaftet haben und im laufenden Kalenderjahr max. 50.000 € erwarten.

Lies dazu:
https://www.kleinunternehmer.de/

Achtung:
Umsatz ist kein Gewinn.
Kleinunternehmer ist kein Kleingewerbe.
Kleinunternehmer können keine Ausgaben geltend machen, das heißt .... du kannst absolut nichts steuerlich absetzen und bleibst auf deinen Kosten sitzen ...

Wenn du steuerlich nicht versiert bist, such dir einen guten Steuerberater, der vor allem in landwirtschaftlichen Angelegenheiten kundig ist.

(Du kannst 1000 Schafe hobbymäßig halten, wenn sie in deinem Betrieb (meldepflichtig) für immer bleiben und du sie aus eigenen Mittel voll finanzierst. Kein Verkauf, kein Tausch, keine Prämien, nichts ... bis zum Tod der Tiere. Aber wer kann und macht das schon?)
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Henry
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Henry »

Ab gewissen Anzahlen und bei gewissen Umständen unterstellen Behörden einfach. Damit kehren sie die Beweislast oder die Argumentation um.
Henry
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Becisaurus »

Hallo,

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten, waren doofe Fragen, finde es ganz lieb, dass sich trotzdem die Zeit genommen wurde.

Das Ding mit den 300 Hühnern hat mir ein Landwirt erzählt, keine Ahnung woher der das hat, ich glaub immer erstmal alles was mir Leute erzählen die ich als fachlich versiert verstehe. Manche Leute reden halt viel wenn der Tag lang ist.

Meine Tiere sind alle gemeldet und es wird alles ordnungsgemäß dokumentiert, das war nicht die Frage.

Die Fragen kamen auf weil meine Tiere nur auf dem eigenen Betrieb beweiden, ich dafür nichts bekomme weil nicht beantragt und ich aktuell nichts verkaufe, mich aber nunmal frage wie das bürokratisch in anderem Falle so läuft weil ich bis dato nur als körperliche Kraft in Schäfereien gearbeitet habe aber nie wirklich im Büro ausser dem üblichen Dokumentationskram den ich ja auch mache.
Von dem her danke für die Antworten, das war exakt was ich wissen wollte!
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Schafhüterin »

Henry hat geschrieben: So 2. Jun 2024, 14:21 Ab gewissen Anzahlen und bei gewissen Umständen unterstellen Behörden einfach. Damit kehren sie die Beweislast oder die Argumentation um.
Woher soll das Finanzamt wissen, das du und wieviel Schafe du besitzt?

Durch da neue Transparentgesetz kam das 2021 ins rollen, jetzt fordert jeder eine Rechnung, dafür brauchst du eine Steuernummer, aber nicht deine reguläre, sondern eine zum Beispiel für die Landwirtschaft.
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von Schnuckenlady »

Wenn Sie ordnungsgemäß gemeldet sind, ist der wichtigste Teil eigentlich abgearbeitet.
Denn "gewerblich" wird es erst, wenn du eine Gewinnerzielungsabsicht hast. Und wie Henry schon schreibt, es ist kein Gewerbe, sondern Landwirtschaft im Nebenerwerb. So könntest du das beim Finanzamt melden. Dafür bekommst du eine Steuernummer für deinen "Betrieb". Dann musst du die Anlage L bei deiner Steuererklärung abgeben. Das Wirtschaftsjahr geht hier übrigens vom 01. Juli bis 30. Juni und nicht Januar bis Dezember. Dann kannst du sagen, du arbeitest nach der Kleinunternehmerregelung und hast somit ei paar Vorteile.
Theoretisch musst du dann angeben, welche Einnahmen du hast und welche Ausgaben.
Beispielsweise 5 Schafe verkauft 500€. Ausgaben hast du aber Futter, Weidenetz, Beitrag bei der BG etc und bist bei beispielhaften 1000€.
Du hast also mehr Ausgaben als Einnahmen. In diesem Fall hast du keine "Steuern" zu bezahlen.
In der Regel sieht das Finanzamt dann auch schnell, dass hier keine Gewinnerzielungsabsicht besteht und stuft das ganze as Liebhaberei ab. Dadurch fällst du bei denen wieder aus dem Raster. Wichtig ist aber, dass du angegeben hast, dass du etwas im nebenerwerb tust, ob du dann Gewinn hast ist eine formalie.
Anders ist es eben, wenn du regelmäßig 20 Tiere verkaufen willst und bewusst Geld damit verdienst.
Aber am besten mit einem Steuerberater oder dem Finanzamt Rücksprache halten.
@Henry Ich meine aber, Beiträge zur SVLFG sind nur, wenn du nicht über deinen Haupterwerb versichert bist
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Fehler sind dafür da, um draus zu lernen!
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Re: Ab welcher Menge Schafe gewerblich ?

Beitrag von peter e. »

Schnuckenlady hat geschrieben: Mo 3. Jun 2024, 10:43 ....

Aber am besten mit einem Steuerberater oder dem Finanzamt Rücksprache halten.
@Henry Ich meine aber, Beiträge zur SVLFG sind nur, wenn du nicht über deinen Haupterwerb versichert bist
Zwangsbeiträge zur landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft haben nur eine einzige Grundlage: die Fläche. Wer mehr als 2.500m² <<bewirtschaftet>> zahlt.(Kann sein, dass die Berechnungsgrundlage sich mittlerweile geändert hat). Was zwar am Anfang vielleicht nicht angebracht erscheint, aber sich später vielleicht auszahlt.
peter e.

Auch dem Schwächsten ist ein Stachel gegeben -
sich zu wehren.

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