Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Hobbyschaf
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Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Hobbyschaf » Mo 23. Jan 2017, 14:32

Nun ist es auch hier soweit, im Vogtland. Der Wolf wurde mehrfach gesehen. Laut Gerüchten sollen es zwei Rudel sein, es kann sich aber auch um Einzeltiere handeln. Die Jagdbehörde soll die mehrmalige Sichtung vom Wolf in Rebersreuth sowie Markneukirchen bestätigt haben. Nach ofizieller Karte ist der Wolf noch ganz weit entfernt. Tolle Experten, die sowas erstellen. Auch die Medien warnen die Tierhalter nicht, zu wem es sich nicht rumspricht, den lassen sie ins Messer laufen.

Herdenschutzhund fällt für mich aus. Es müssten ja mindestens 2 sein, und ich trau mir ehrlich gesagt die Ausbildung auch nicht zu. Wir haben schon zwei große Hunde, Und die zusätzlichen Kosten wären auch so ein Punkt, der mich zusätzlich abschreckt. Ich zahle bei den Schafen schon so einiges drauf. Sie dienen der Selbstversorgung und dürfen auch was kosten, aber es soll überschaubar bleiben.

Meine Weiden liegen am Hof an, bringt es etwas, die Schafe nachts aufzustallen? Macht das Sinn? Oder ist es warscheinlich, das Vieh auch tagsüber gerissen werden könnte? Wann jagen die Wölfe eigentlich? Gibt es da Erfahrungswerte?

Ich empfinde das Aufstallen im Sommer als Tierquälerei, die mit sinnloser Mehrarbeit verbunden ist. Es reicht mir schon, das Federvieh so gequält zu sehen. Jetzt auch noch die Schafe. Aber immer noch besser, als zerfetzte Schafe von der Weide aufzulesen.

Ich hätte auch noch einen super 2. Stall. Dann würde ich mehr Schafe behalten können. Mit direktem Weideanschluß, da müßte ich aber ganz viel Überzeugungsarbeit leisten bei meinem Freund, damit die untergestellte Technik dort rauskommt. Ich arbeite dran, die Chancen stehen 50/50. Würde aber nur Sinn machen, wenn Nachtaufstallung auch was bringt.

Edwin
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Edwin » Mo 23. Jan 2017, 15:32

Hallo Hobbyschaf, leider kann ich nur für Brandenburg sprechen, aber wir haben ja so einiges an Wolfserfahrung. Hier ist es so, dass alle Wolfsangriffe auf Nutztiere grundsätzlich nachts, also bei absoluter Dunkelheit stattfanden. Auch kenne ich keinen Angriff woanders bei Tage, aber ich lass mich gern eines Besseren belehren, dann aber bitte mit Beweis, vorzugsweise hier aus Mitteleuropa. Und es ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass es passieren kann, ganz klar! Aufstallen ist also die sicherste Methode, Nutztiere vor Wolfsangriffen zu schützen. Trotzdem sollte ein gewisser Grundschutz einer "sicheren Zäunung" vorhanden sein.
Übrigens ist auch interessant zu beobachten, dass auf den Fotofallen in den Wolfsgebieten Wölfe am Tage bei trübem, schlechten Wetter viel häufiger aktiv sind, als bei gutem, sonnigen Wetter. Ich denke, dass Wölfe genau wissen, dass sie von Menschen bei Mistwetter viel weniger beeinträchtigt werden.
Eine Ausnahme jedoch bilden die fehlgeprägten Wölfe, wie sie in Niedersachsen anzutreffen waren (Munsteraner Rudel, davon bitte keine Nachweise hier, das ist bekannt, oder jetzt der Rosentaler "Pumpak" in Sachsen). Einmal die Scheu verloren, werden sie auch am Tage zur Gefahr für Nutztiere.

Grüße

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Insane » Mo 23. Jan 2017, 16:24

Wäre es nicht illegal würde ich raten draußen zu zu warten - bei kräftigem Schrot und Korn und
Erziehungsarbeit zu leisten... :duck:

ABER legal geht leider nur Aufstallen, so wie wir es auch halten müssen. Also abends alle rein und früh alle
wieder raus. Ist auf die Dauer weder der eigenen noch der Schafgesundheit besonders zuträglich.
Denn die Schafe würde natürlich viel lieber draußen im Mondlicht noch ein Häppchen nehmen und sich die Beine
vertreten, statt sich im ungleich engeren Stall bei erhöhter Luftfeuchte (besonders bei Regen und Schnee) zu
langweilen. :gaehn:

Mit Weiden direkt am Hof, entfällt für Dich zumindest der Stress der An- und Abfahrt zum Einfangen und freilassen.
Nervig, gefühlt unnötig (außer natürlich wg. Wolf) und belastend ist es trotzdem.

Stell zudem sicher, dass alles dicht ist, denn es wurden wohl kürzlich Charolais-Kälber aus dem Stall getrieben und
gerissen!
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Hobbyschaf » Mo 23. Jan 2017, 18:02

Habt vielen Dank, ihr macht mir Mut. Ja, die Weiden direkt neben dem Hof sind ein Segen. Dann werde ich es so machen, meine Schafe abends aufstallen und morgens rauslassen. Das auch das nicht 100% sicher ist, ist mir bewußt. Wenn es Sinn macht nach den derzeitigen Erfahrungen, würde mir das reichen, um die Mehrarbeit zu machen.

Mein Stall ist relativ gut belüftet, er hat eine offene Front mit Fressgitter. Der andere wäre, wenn ich ihn dafür nutzen könnte auch sehr gut belüftet, Der Aufwand, alles richtig dicht zu machen hält sich in Grenzen. Das sind nur paar Kleinigkeiten.

Eine sichere Zäunung habe ich noch nicht hinbekommen, nur ein kleiner Teil ist gut gezäunt. Ich bewirtschafte den Hof die Woche über alleine. Zur Zeit fast ausschließlich mit drei Litzen oder die Außenzäunung drei Drähte. Das geht nur Stück für Stück, wird aber in Angriff genommen. Ich habe für meine 12 Schafe knapp 3ha aufgeteilt in zwei Flächen. Dazwischen ein Weg. Das Gelände ist nicht eben und teilweise ist Fels ein paar cm drunter mit sehr vielen Steinen.

Die Zwischenzäune stecke ich mit Metallpfählen ab. Je nach Wetter, manchmal kann ich die einfach so reintreten, Aber sehr oft brauch ich auch den großen Hammer zum Schlagen. Wenn sie gar nicht mehr reinschlagen lassen mach ich Standweide drauß. Ich denke, mit Netzen wird das auf meinem Berg bei steinhartem Boden dann auch nichts.

Viele Grüße und Danke nochmal

Edwin
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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Edwin » Mo 23. Jan 2017, 18:25

Nach und nach aufrüsten ist sowieso für Hobbyhalter der geeignetste Weg, sofern noch Zeit, weil wenig Wolfsdruck, sich der Situation anzupassen. Ich musste damals auch rasch handeln, dh. mein Weg war mich zu informieren, was geht, was ist notwendig, ohne dabei in Panik zu verfallen. Angst hatte ich um meine Tiere auch, was verstärkt wurde, als bei meinem Nachbarn im Winter 12/13 zwei Damhirsche in seiner Koppel gerissen wurden, sein Zaun sah nicht bedeutend anders aus als meiner. Im Jahr zuvor hatte ich einen Angriff, der mit einem Loch und einem Kothaufen vom Wolf endete. Der Wolf wusste nicht, dass er es mit etwas mehr Mühe geschafft hätte. Seither mach ich den Knotenzaun vor allem unten dicht, Faschinen, Brombeerhecke, Steine, Beton- und Holzpfähle. Die 2.Koppel wurde von vornherein mit einer "Schürze" versehen. Bis jetzt war jedes Jahr ein Jährling zu Besuch, und bislang, klopf auf Holz, kümmert der Wolf sich scheinbar nicht um die Schafe! Also, mit Respekt und Verstand heran gehen, das ist der erste Schritt! Ich wünsch dir ganz viel Mut und Kraft!

Grüße

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von balin » Mo 23. Jan 2017, 18:46

@Hobbyschaf
Du überraschst mich etwas. Marktneukirchen ist ja nur zwanzig Kilometer von mir weg. Momentan mache ich mir aber noch keine Sorgen. Die Herde ist zwar draussen, aber wenn gut eingestreut ist, gehen sie abends bei Einbruch der Dunkelheit in die Halle. Weil schon vier Kälber da sind haben Kerle wie Hunde da Hausverbot. ;)
Im Sommer ist das dann etwas anders. Ich hoffe, die Wölfe lassen sich noch etwas Zeit. Das mit den Kangals schaffe ich erst ab nächstem Jahr, dann habe ich die geschlossene Fläche vom Haus bis in den hintersten Winkel. Das braucht man ja, wenn man in so einer Konstellation zusätzlichen Ärger mit den Nachbarn vermeiden will. Und ein paar Zäune muß ich ja auch noch setzen.
Also, rede Deinen Wölfen mal gut zu, dass sie nicht ganz so schnell machen sollen. :flag:
Andererseits wundert es mich, dass die Wölfe erst ins norddeutsche Flachland gezogen sind. Das Elstergebirge ist doch zb geniales Wolfsland.
Hoffentlich sehen wir das in ein paar Jahren auch noch so entspannt.
Wenn es nach mir geht schon. :)

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Breitfeld » So 2. Apr 2017, 09:11

Hallo!

Nun ist es auch hier soweit, im Vogtland. Der Wolf wurde mehrfach gesehen. Laut Gerüchten sollen es zwei Rudel sein, es kann sich aber auch um Einzeltiere handeln. Die Jagdbehörde soll die mehrmalige Sichtung vom Wolf in Rebersreuth sowie Markneukirchen bestätigt haben. Nach ofizieller Karte ist der Wolf noch ganz weit entfernt. Tolle Experten, die sowas erstellen. Auch die Medien warnen die Tierhalter nicht, zu wem es sich nicht rumspricht, den lassen sie ins Messer laufen.

Ist das nur ein Gerücht, oder sollte man sich tatsächlich schon Sorgen um die Schafe machen?
In der Zeitung stand vorgestern, das ein "wolfsähnliches" Tier im Raum Grünbach gesichtet worden sein soll.

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Fröschchen » Mi 19. Jul 2017, 18:33

Edwin hat geschrieben:Nach und nach aufrüsten ist sowieso für Hobbyhalter der geeignetste Weg, sofern noch Zeit, weil wenig Wolfsdruck, sich der Situation anzupassen. Ich musste damals auch rasch handeln, dh. mein Weg war mich zu informieren, was geht, was ist notwendig, ohne dabei in Panik zu verfallen. Angst hatte ich um meine Tiere auch, was verstärkt wurde, als bei meinem Nachbarn im Winter 12/13 zwei Damhirsche in seiner Koppel gerissen wurden, sein Zaun sah nicht bedeutend anders aus als meiner. Im Jahr zuvor hatte ich einen Angriff, der mit einem Loch und einem Kothaufen vom Wolf endete. Der Wolf wusste nicht, dass er es mit etwas mehr Mühe geschafft hätte. Seither mach ich den Knotenzaun vor allem unten dicht, Faschinen, Brombeerhecke, Steine, Beton- und Holzpfähle. Die 2.Koppel wurde von vornherein mit einer "Schürze" versehen. Bis jetzt war jedes Jahr ein Jährling zu Besuch, und bislang, klopf auf Holz, kümmert der Wolf sich scheinbar nicht um die Schafe! Also, mit Respekt und Verstand heran gehen, das ist der erste Schritt! Ich wünsch dir ganz viel Mut und Kraft!

Grüße
Was ist das?

Wie tief und breit vor?
Fröhlich gequakter Gruß :flag: und weggehüpft!!! :duck:

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von peter e. » Mi 19. Jul 2017, 23:01

faschinen

Was ist das?

Wie tief und breit vor?[/quote]

in der heutigen elektronischen zeit ist es sowas von einfach, die unwissenheit umzukehren.
peter e.

Seid gestern meid ich Alkohol
und singe heut` schon Lieder:
Trara, ich fühl mich herrlich wohl
und meine Birne : herrlich hohl!
Mich dünkt, ich trinke wieder.Thomas Gsella

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Re: Bringt nachts aufstallen etwas, oder wann jagen Wölfe?

Beitrag von Edwin » Do 20. Jul 2017, 07:03

"Faschinen" ist ein Begriff aus dem Wasserbau. Die bei der Durchforstung von Schonungen anfallenden gerade gewachsenen "Rutenbäume" werden dabei gebündelt zur Uferbefestigung verwendet.
Meine "Faschinen" sind rutenartige Birkenäste und Zweige vom "Brennholzabbau", die ich als Schürze als Untergrabeschutz auslege bzw. ausgelegt habe.
Breite? Was in einen Arm passt, optisch willkürlich ...
Fröschchen, es gibt für nichts ne Garantie...

Grüße

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