Herdenschutz früher...

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 08:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Annegret » Sa 22. Jul 2017, 18:38

Hi,

hinzuzufügen wäre noch, dass, wenn Schafe nicht mehr auf der Weide gehalten werden können, ganzjährige Stallhaltung
angesagt ist. Dann wäre deren Situation nicht besser, als die der Tiere in der konventionellen Nutztierhaltung.

Wollen wir und die Verbraucher das wirklich.

Die Schafe ganz sicher nicht.

Die Forderung unsere Schafe KZ-mäßig einzuzäunen erfreut das Auge des Landschaftsschützers sicherlich ungemein und
entspricht sicher nicht den Erwartungen des erholungssuchenden Städters, wenn er am Wochenende freie Landschaft sucht.

Gruß

Annegret

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 08:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Annegret » Mi 26. Jul 2017, 11:40

Hi,

hier mein Entwurf für ein Schreiben an die Verantwortlichen für die "Wolfsgesetzgebung"
Ich bitte um konstruktive Kritik und Ergänzung.

Gruß

Annegret

Herdenschutz


Sehr geehrter Herr Abgeordneter/Landwirtschaftsminister.....


die Wiedereinbürgerung des Wolfes stellt an Weideviehhalter ungeahnte Anforderungen.

Wir sind uns sicher alle einig, dass Halter von Kleinherden ( nehmen wir an, alle unter 50 Mutterschafen oder 5 Kühen) durch die Beweidung einen wertvollen Beitrag zum Natur/Landschaftsschutz und der Pflege von wertvollen Kulturlandschaften in nicht großmaschinentauglichem Gelände leisten. Diese Pflegemaßnahmen durch Handarbeit leisten zu lassen kostet eine Menge Geld, die wir der Gesellschaft ersparen. Auch der Beitrag zur Ernährung mit Fleisch, das i.d.R. nicht mit Medikamenten belastet ist, ist nicht zu vernachlässigen.

Die Gesellschaft wünscht offensichtlich die Wiedereinbürgerung des Wolfes. Diese gibt's nicht zum Nulltarif. Diese Kosten und Mühen den Weideviehhaltern aufzuladen ist in höchstem Maße ungerecht..

Bei den zur Zeit herrschenden widersprüchlichen Regelungen der Bundesländer über Herdenschutzhunde/Einzäunungen/Entschädigungen/Entnahme von Wölfen aus der Wildbahn, Bürokratieaufwand für Schutz und Entschädigungsmaßnahmen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese Kleinherden aufgegeben werden und die Natur sich selbst überlassen wird. Damit fällt deren Landschaftspflege weg. Viele Steilhänge werden der Erosion überlassen, Deiche werden nicht mehr gepflegt, Hochalmen wuchern zu und/oder erodieren zu Lasten des Lawinenschutzes. Diese Liste darf gerne von besser Informierten verlängert werden.

Hinzuzufügen wäre noch, dass, wenn Schafe nicht mehr auf der Weide gehalten werden können, diese ganzjährige im Stallgehalten müssen. Dann wäre deren Situation nicht besser, als die der Tiere in der konventionellen Nutztierhaltung.

Die Forderung unsere Schafe KZ-mäßig einzuzäunen erfreut das Auge des Landschaftsschützers sicherlich ungemein und entspricht nicht den Erwartungen des erholungssuchenden Städters, wenn er am Wochenende die freie Landschaft aufsucht.

Der Gegenentwurf dazu sieht folgendermaßen aus:

Wenn Viehweiden, wie zur Zeit gefordert 1,80 m hoch elektrifiziert eingezäunt werden, verwandeln wir unsere freie Landschaft in einen Drahtverhau. Diese Zäune sind so teuer und arbeitsaufwendig, dass sie dauerhaft stehen bleiben müssen. Wo bleibt dann Platz für das Wild, wie Reh, Hirsch und Wildschwein? Diese werden sich dann, mangels Wiese, im Wald bedienen und Bäume schälen oder auf den Feldern für Wildschaden sorgen.

Der Totalschutz der Wölfe ist, wie jeder Totalschutz, völlig überzogen und ökologisch nicht vertretbar. Siehe Rabenvogelschutz, der Singvogelnester zu Lebendfutter-Hälterungsanlagen für Elstern und Co. degradiert. Hier kann Singvogelnest durch Viehweide ersetzt werden. Es wurde von offizieller Stelle bereits erkannt,dass Wölfe, die gelernt haben sich aus Schafherden zu bedienen, dies immer wieder tun werden und sich nicht mehr die Mühe machen Mäuse zu fangen, ein Reh oder ein Wildschwein zu jagen. Ist doch der Tisch im Schafspferch immer gut gedeckt. Solche Wölfe gehören entnommen (erlegt), damit sich dieses Verhalten nicht im Rudel verfestigt.

Zwischen Totalschutz und Totalabschuss liegt ein weites Feld, auf dem ein Weg für die friedliche Koexistenz von Wolf und Weidevieh gefunden werden muss.

Eine Wolfsfamilie benötigt ein Streifgebiet von 250 qkm, die 2 1/2-fache Fläche des Nationalparks Schwarzwald. Deutschland weist eine höhere Wolfsdichte auf als Finnland oder Schweden, dabei beträgt die Bevölkerungsdichte dort nur 10 % derer von Deutschland. Wo sind die Flächen in Deutschland für die angestrebte Wolfspopulation?

Der Wolf hält sich nicht an Landesgrenzen, daher fordere ich eine EU- oder zumindest bundeseinheitliche Regelung, die folgendermaßen aussehen könnte:

Übernahme aller Aufwendungen für den Herdenschutz, der über die bislang übliche Hütetechnik nicht geleistet wird, durch Gemeinde, Land, Bund oder EU.

Die Wolfspopulation der zur Verfügung stehenden geeigneten Habitatfläche anzupassen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und moderat, mit Abschussplan, und zusätzlich nach einem Wolfsriss kurzfristig und unbürokratisch, mit der unteren Jagdbehörde verabredet, das Tier zu erlegen. Nur wenn ein Wolf in der Nähe von Menschen unangenehme Erfahrungen macht, wird er die Nähe von Menschen meiden. Damit meine ich nicht einen mit Flatterband herumkaspernder Viehhalter.

Faire Entschädigungsregelungen, ohne großen Bürokratieaufwand und ohne Verquickung mit der Zahlung von Fördermitteln.

So, wie sich die Situation zur Zeit darstellt bedeutet die Wiedereinbürgerung des Wolfes und der damit verbundene Herdenschutz eine Enteignung der Weideviehhalter. So wollen wir den Wolf nicht.

Alles, das über den bisher üblichen Schutz unserer Herden hinausgeht, ist Aufgabe der Gesellschaft. Und zwar bitte sofort und nicht wenn bereits die meisten von uns aufgegeben haben.



Mit freundlichen Grüßen

Benutzeravatar
LuckyLucy
Förderer 2019
Förderer 2019
Beiträge: 484
Registriert: Fr 30. Sep 2016, 12:39
Kontaktdaten:

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von LuckyLucy » Mi 26. Jul 2017, 13:10

Schreibst Du in Deinem Namen (ich) oder im Namen einer Gemeinschaft (wir)? Da bist Du nicht durchgängig in Deinem Entwurf.

Ansonsten hätte ich nur stilistische Kleinigkeiten, die aber ja durchaus auch Deine Meinung abbilden. :wink:
LuckyLucy, schaffiebrig

Benutzeravatar
Insane
Beiträge: 1151
Registriert: Fr 4. Nov 2016, 15:16
Schafrasse(n): kuschelwollige Büffelschafe <3
Kontaktdaten:

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Insane » Mi 26. Jul 2017, 13:18

Ich finde beide Briefe gut - vielleicht sollte man sie halbe-halbe versenden.
Also jeder sucht sich aus, welchen er versendet.
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 08:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Annegret » Mi 26. Jul 2017, 22:01

Hi,

hier der überarbeitete Entwurf, nachdem mich folgende Kritik erreicht hat.

Das Schreiben nicht auf Kleinhalter beschränken und keine EU- bis ländereinheitliche Regelungen fordern, da diese aufgrund der Schwerfälligkeit des Amtsschimmels erst zu Lebzeiten unserer (Ur)Enkel in Kraft treten würden. Ich habe Schafe durch Weidevieh ersetzt, da inzwischen ja auch Kälber und Pferde angegriffen werden.

@ Lucky Lucy

kopiere den Brief heraus und modle ihn nach deinen Wünschen um. Es kann jeder sich seine Version heraussuchen oder einen eigenen Brief verfassen. Ich betrachte das als Argumentesammlung und Brainstorming zum Thema. Es kann nicht schaden, wenn die betreffenden Abgeordneten und Minister unterschiedliche Schreiben erhalten. Dann kann man uns nicht vorwerfen wir hätten uns lediglich um des Protestes willen zusammengerottet. Aber schickt um Gottes Willen die Briefe auch ab, sonst werden unsere Tiere dem Wolf zum Opfer fallen.

Der Entwurf darf auch gerne in anderen betroffenen Gemeinschaften verbreitet werden.

Gruß

Annegret


Betr.: Herdenschutz


Sehr geehrter Herr Abgeordneter/Landwirtschaftsminister.....


die Wiedereinbürgerung des Wolfes stellt an Weideviehhalter ungeahnte Anforderungen.

Wir sind uns sicher alle einig, dass Halter von Weidevieh durch die Beweidung einen wertvollen Beitrag zum Natur/Landschaftsschutz und der Pflege von wertvollen Kulturlandschaften in nicht großmaschinentauglichem Gelände leisten. Diese Pflegemaßnahmen durch Handarbeit leisten zu lassen kostet eine Menge Geld, die wir der Gesellschaft ersparen. Auch der Beitrag zur Ernährung mit Fleisch, das i.d.R. nicht mit Medikamenten belastet ist, ist nicht zu vernachlässigen.

Die Gesellschaft wünscht offensichtlich die Wiedereinbürgerung des Wolfes. Diese gibt's nicht zum Nulltarif. Diese Kosten und Mühen den Weideviehhaltern aufzuladen ist in höchstem Maße unbillig.

Bei den zur Zeit herrschenden widersprüchlichen Regelungen der Bundesländer über Herdenschutzhunde/Einzäunungen/Entschädigungen/Entnahme von Wölfen aus der Wildbahn, Bürokratieaufwand für Schutz und Entschädigungsmaßnahmen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese Herden aufgegeben werden und die Natur sich selbst überlassen wird. Damit fällt deren Landschaftspflege weg. Viele Steilhänge werden der Erosion überlassen, Deiche werden nicht mehr gepflegt, Hochalmen wuchern zu und/oder erodieren zu Lasten des Lawinenschutzes. Diese Liste darf gerne von besser Informierten verlängert werden.

Hinzuzufügen wäre noch, dass, wenn Weidetiere nicht mehr auf der Weide gehalten werden können, diese ganzjährige im Stall gehalten müssen. Dann wäre deren Situation nicht besser, als die der Tiere in der konventionellen Nutztierhaltung.

Die Forderung unsere Schafe KZ-mäßig einzuzäunen erfreut das Auge des Landschaftsschützers sicherlich ungemein und entspricht nicht den Erwartungen des erholungssuchenden Städters, wenn er am Wochenende die freie Landschaft aufsucht.

Der Gegenentwurf dazu sieht folgendermaßen aus:

Wenn Viehweiden, wie zur Zeit gefordert 1,80 m hoch elektrifiziert eingezäunt werden, verwandeln wir unsere freie Landschaft in einen Drahtverhau. Diese Zäune sind so teuer und arbeitsaufwendig, dass sie dauerhaft stehen bleiben müssen. Wo bleibt dann Platz für das Wild, wie Reh, Hirsch und Wildschwein? Diese werden sich dann, mangels Wiese, im Wald bedienen und Bäume schälen oder auf den Feldern für Wildschaden sorgen.

Der Totalschutz der Wölfe ist, wie jeder Totalschutz, völlig überzogen und ökologisch nicht vertretbar. Siehe Rabenvogelschutz, der Singvogelnester zu Lebendfutter-Behältern für Elstern und Co. degradiert. Hier kann Singvogelnest durch Viehweide ersetzt werden. Es wurde von offizieller Stelle bereits erkannt,dass Wölfe, die gelernt haben sich aus Vieherden zu bedienen, dies immer wieder tun werden und sich nicht mehr die Mühe machen Mäuse zu fangen, ein Reh oder ein Wildschwein zu jagen. Ist doch der Tisch z.B. im Schafspferch immer gut gedeckt. Solche Wölfe gehören entnommen (erlegt), damit sich dieses Verhalten nicht im Rudel verfestigt.

Zwischen Totalschutz und Totalabschuss liegt ein weites Feld, auf dem ein Weg für die friedliche Koexistenz von Wolf und Weidevieh gefunden werden muss.

Eine Wolfsfamilie benötigt ein Streifgebiet von 250 qkm, die 2 1/2-fache Fläche des Nationalparks Schwarzwald. Deutschland weist eine höhere Wolfsdichte auf als Finnland oder Schweden, dabei beträgt die Bevölkerungsdichte dort nur 10 % derer von Deutschland. Wo sind die Flächen in Deutschland für die angestrebte Wolfspopulation? Da sich diese nicht schaffen lassen, muss die Wolfspopulation an das zur Verfügung stehende geeignete Habitat angepasst werden.

Der Wolf hält sich nicht an Landesgrenzen, daher fordere ich eine baldige sich bundesweit nicht widersprechende Regelung, die folgendermaßen aussehen könnte:

Übernahme aller Aufwendungen für den Herdenschutz, der über die bislang übliche Hütetechnik nicht geleistet wird, durch Gemeinde, Land, Bund oder EU.

Die Wolfspopulation der zur Verfügung stehenden geeigneten Habitatfläche anzupassen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und moderat, mit Abschussplan, und zusätzlich nach einem Wolfsriss kurzfristig und unbürokratisch, mit der unteren Jagdbehörde verabredet, das Tier zu erlegen. Nur wenn ein Wolf in der Nähe von Menschen unangenehme Erfahrungen macht, wird er die Nähe von Menschen meiden. Damit meine ich nicht einen mit Flatterband herumkaspernder Viehhalter.

Faire Entschädigungsregelungen, ohne großen Bürokratieaufwand und ohne Verquickung mit der Zahlung von Fördermitteln.

Die Halter von kleinen Herden erledigen im Landschaftsschutz die arbeitsaufwendigsten Aufgaben, die von Menschenhand zu erledigen, am teuersten kommen. Diese Betriebe werden die Wiedereinbürgerung des Wolfes, so wie sie jetzt gehandhabt wird, nicht überleben und diese Aufgaben an die Gesellschaft zurückgeben. Das kommt diese viel teurer.

So, wie sich die Situation zur Zeit darstellt bedeutet die Wiedereinbürgerung des Wolfes und der damit verbundene Herdenschutz eine Enteignung der Weideviehhalter. So wollen wir den Wolf nicht.

Alles, das über den bisher üblichen Schutz unserer Herden hinausgeht, ist Aufgabe der Gesellschaft. Und zwar bitte sofort und nicht wenn bereits die meisten von uns aufgegeben haben.


Mit freundlichen Grüßen

alpenblümchen
Förderer 2017
Förderer 2017
Beiträge: 373
Registriert: Do 13. Okt 2016, 23:45

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von alpenblümchen » Mi 26. Jul 2017, 23:45

den satz: "die gesellschaft wünscht offensichtlich die wiedereinbürgerung der wölfe," würde ich streichen. weil es nicht zutrifft. teile der gesellschaft lehnen die einbürgerung der wölfe ab. anderen ist es scheissegal. eine gesellschaft ist nie homogen. in ihr finden sich immer die verschiedensten strömungen. der satz macht deutlich wie erfolgreich die wolfspropaganda war. auch wenn es die sogenannten representativen umfragen gäbe oder gibt, denen ist nie zu trauen.

Annegret
Beiträge: 179
Registriert: So 2. Okt 2016, 08:49
Wohnort: Rot am See
Schafrasse(n): Dorper
Herdengröße: 20

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Annegret » Do 27. Jul 2017, 16:55

Hi Alpenblümchen,

den Passus kann ich nicht streichen, denn die Wiedereinbürgerung des Wolfes wird von offizieller Seite gewünscht, und daher ist diese auch für den Ausgleich der Nachteile zuständig. Wenn Du Deine Version schreibst, kannst Du das ja zu Gunsten eines Passus über Pro-Wolf Propaganda, weglassen.

Gruß

Annegret

Manfred
Beiträge: 1730
Registriert: Mi 28. Sep 2016, 22:36
Wohnort: Frankenwald

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Manfred » Do 27. Jul 2017, 18:41

Bernreuther1.jpg
Bernreuther1.jpg (179.55 KiB) 2053 mal betrachtet
Bernreuther2.jpg
Bernreuther2.jpg (182.44 KiB) 2053 mal betrachtet

Benutzeravatar
Insane
Beiträge: 1151
Registriert: Fr 4. Nov 2016, 15:16
Schafrasse(n): kuschelwollige Büffelschafe <3
Kontaktdaten:

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Insane » Do 27. Jul 2017, 19:05

Tolles Statement. Darf man das teilen?
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:

Manfred
Beiträge: 1730
Registriert: Mi 28. Sep 2016, 22:36
Wohnort: Frankenwald

Re: Herdenschutz früher...

Beitrag von Manfred » Do 27. Jul 2017, 19:19

Ja.

Antworten