Was passiert mit HSH-Rentnern?

Thorsten
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Thorsten »

Ich persönlich ermögliche alten Pferden und Katzen und z.T. auch Schafen und Kühen ein möglichst langes Leben. Ich kann mir das aber in meiner Hobbylandwirtschaft auch leisten.

In wirtschaflich arbeitenden Betrieben geht das aber nicht oder nur bedingt. Darum will ich jetzt mal eine provokante These in den Raum stellen: ein altes Mutterschaf, das "nix mehr taugt", wird geschlachtet oder eingeschläfert, obwohl es ja durchaus eine Leistung erbracht hat. Warum soll man "überflüssige" HSH weiter durchfüttern? Warum soll man sie anders als das Mutterschaf behandeln? Sind es nicht beides Nutztiere?

Bitte sachlich antworten oder diesen Beitrag ignorieren!

Gruß Thorsten

P.S.: Hunde haben wir übrigens nur deshalb nicht, weil meine Frau allergisch auf Hundehaare reagiert.
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Henry
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Henry »

Ich sehe das genauso, jedoch sehe ich den tierschutzrechtlich rechtfertigenden Grund nicht. Ich hatte ja hier schon die Probleme, daß auch eine nur teuer oder langwierig zu behandelnde Krankheit keine Schlachtung oder Tötung rechtfertigt und eine Unheilbarkeit nur tierärztlich festgestellt werden darf. Altersschwäche rechtfertigt dann gleich gar nichts.

Einzug und allein eine Verwertung wird als Grund akzeptiert. Hunde dürfen aber nicht gegessen werden.
Henry
der
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Schnuckenlady »

Recht hast du schon. Aber wie Henry schon mehr oder weniger sagte, zählen Hunde nicht zu den Nutztieren.
Aber am Ende ist Euthanasie immer nxoh besser als irgendwelche andern Methoden
https://www.selfandhandmade.de

Fehler sind dafür da, um draus zu lernen!
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Catweazle »

Auch wenn HSH von großem Nutzen für die Halter sind, sind sie keine Nutztiere.
Auch wenn sie von Geburt an auf Schafe sozialisiert wurden, sind sie letztendlich nun mal keine Herdentiere. Der grundlegende Unterschied besteht in seinem Wesen, er verlangt nach einem Rudel. Eine Herde funktioniert nicht wie ein Rudel. Im Rudel hat der Einzelne eine Funktion für die Gemeinschaft. Wäre der Wolf nicht ein so hochsoziales Wesen, hätte es die Entwicklung zum Hund nie gegeben. Ein HSH kann nicht ohne Beziehung zum Halter gehalten werden. Für den Hund sind die anderen HSH und der Halter das Rudel. Auch wenn der Halter den HSH sehr selbständig arbeiten lässt, bleibt die „Hierarchie“ dennoch bestehen. Wie sonst könnte der Halter sonst auf die Weide, wenn das anders wäre.
Wer sich seine HSHe als reine Dienstleister halten will, kann m.E. mit diesem Vorhaben nur scheitern. Vielleicht kann ein Landwirt Schafe halten, ohne sie sonderlich zu mögen. Möglicherweise, ich weiß es nicht. Für den Hund ist das Rudel das höchste, für dessen Wohl gäbe er u.U. sogar sein Leben. Wer vor der Anschaffung eines Hundes nicht die Tatsache bedenkt, dass man für ihn eines Tages ohne Gegenleistung Futter und Medikamente zur Verfügung stellen muss, sollte absolut nur in Elektrozäune investieren. Auch der HSH braucht im Alter menschliche Zuwendung und Gesellschaft von seinesgleichen. Das muss man doch eigentlich nicht noch betonen. Höchstens gegenüber denjenigen, die sagen, man kann seine Schafe ja gegen Wolfsangriffe schützen indem man halt zwei HSH dazustellt. Echt jetzt, so was regt mich einfach nur auf. Wir haben auch (Groß-) Hunde, seit Kindesbeinen an. Auf solche Ideen können nur Leute kommen, die nie einen Hund hatten. Und wenn man bislang noch keinen Hund hatte, sollte man auch niemals gerade mit einem HSH anfangen.
Das Wohl meiner Schafe bedeutet mir viel. Selbst wenn ich das Fleisch von einzelnen Tieren eines Tages nutzen möchte. Die Beziehung zum Hund ist dennoch dem Grunde nach eine andere, und das ganz ohne es zu romantisieren. Meinen Kumpel, Freund, Buddy oder wie auch immer man das nennen möchte entsorge ich nicht. Er bedarf von Anfang an meiner Fürsorge, bis zum Schluß. Ob er nun mit auf meinem Sofa liegt oder in einem Stall auf Stroh. Er ist KEIN Nutztier.
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Fröschchen »

Thorsten hat geschrieben: Do 14. Jan 2021, 08:38 Warum soll man "überflüssige" HSH weiter durchfüttern?
Futter ist ja nur das Eine, die Medis das nächste: nur wo sollen sie denn aber "wohnen"? Etwa in der Schafherde mit den Nachwuchshunden verbleiben? Oder 10 Stück im Haus unter der Treppe? Und dann plötzlich ohne ihre gewohnte Schafherde?
Können die denn 1:1 umschalten von Weide- auf Stubenmodus?!

Da ich 0 Erfahrung mit Hunden (mit HSH gleich gar nicht) habe, interessiert mich die Ausgangsfragestellung grundsätzlich schon.

Wäre eine Argumentation mit der Bezeichnung "fehlgeprägt" (also in Bezug auf üblichen Haushund, besser vllt. "für Anderes ausgebildet und antrainiert") oder "Gefahrpotential") rechtfertigend?

Denn Zwinger bis zum Ende geht doch auch nicht...

"Bitte sachlich antworten oder diesen Beitrag ignorieren!" (Dankeschön Thorsten!)

:?:
Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein. (Albert Einstein)
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st68
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von st68 »

Hallo Catweazle,

schön gesprochen. Nur leider an der Realität vorbei. Ein Schäfer, der nie HSH halten wollte/konnte, aber von der Wolfsrealität dazu gezwungen wird, ohne dass er davon einen müden Euro mehr in der Tasche hätte, kann sich von Deinen warmen Worten auch nichts kaufen. Schon gar kein Futter für 10 Gnadenbrot-Hunde, die womöglich 5 Jahre durchgefüttert und anderweitig gepflegt werden müssen.

Schäfereien, die heute schon 30 HSH durchfüttern müssen und dazu sämtliche Merzen und anderes krankes Getier ihres Bundeslandes aufkaufen müssen, um diese zu ernähren, werden ganz sicher nicht allen arbeitsunfähigen HSH einen warmen Stallplatz bis zu ihrem Lebensende finanzieren.

Hunde, die nur für das "am Leben halten" der Schafherde einer Schäferei notwendig sind, aber sonst keinerlei betriebswirtschaftlichen Nutzwert (das Wort meine ich ernst) haben, sind reine Nutztiere. Mache keinem Schäfer einen Vorwurf daraus, dass er seine HSH als Nutztiere sieht und keine nutzlosen Hunde durchfüttern will/kann.

Wenn Dir das zu herzlos erscheint, mußt Du diesen Vorwurf ganz allein den Wolfs- und HSH-Lobbyisten machen, die es wohl bald geschafft haben, HSH per Gesetz vorzuschreiben. Und dass sicher nicht unter einem HSH auf 50 Schafe. Und auch nie unter 3 HSH pro Herde, weils ja Rudeltiere sind, die gegen Wolfsrudel ankommen müssen. Darunter machts ja auch keinen Sinn. Die Erfahrung zeigt auch, dass, je höher die Wolfsdichte, desto mehr (und aggressivere) HSH werden pro Schaf nötig.

Die große Schwämme, der arbeitsuntauglichen (altersgründe, überschärfe, nicht erziehbar, falsch erzogen, nicht zauntreu, Halter kommt damit nicht klar, uswusf.) HSH rollt ja erst noch auf uns zu. Mal abwarten was die so mit sich bringt. Peta & co. sitzen schon in den Startlöchern.

Dann weiter schöne Träume noch...
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Catweazle »

Hallo st68,
vielleicht hast Du mich missverstanden, denn ich plädiere gerade eben NICHT zur Anschaffung von HSH, schon gar nicht in dieser Größenordnung. Dass bei 10 oder gar 30 durchzufütternden HSH Rentnern von der geringen Marge kaum was übriggebleibt,ist mir schon klar. Deine Beschreibung ist für mich auch insofern interessant, weil ich derart große Schafhaltungen nicht kenne. Zudem verbietet sich mE nach Herdenschutz mit HSH auch in meiner verdichteten Region (Rhein-Main).
Gerade, weil ich mit Hunden vertraut bin und sie schätze, ist es eben aus meiner Sicht Blödsinn, HSH zur Pflicht zu machen oder als Patentrezept zu betrachten. Mein Anliegen ist, dass sich nur diejenigen diese Hunde „mit besonderen Bedürfnissen“ zulegen, die das auch mit Liebe zur Rasse und mit Sachverstand betreiben. Dann würden sich ja auch 10 Rentner+ erübrigen. Wenn es zur Voraussetzung gemacht werden würde, nur mit HSH eine Entschädigung bei Wolfsrissen zu bekommen, würde Tierschutz doch pervertiert werden. Auf Kosten der Hunde nämlich, die dann nur eine Last für die Schäfereien wären.
Und richtig, wie bei allen anderen Gebrauchshunderassen gibt es „untaugliche“ Exemplare. Viel Tierleid ist hier vorprogrammiert, und ich hoffe doch sehr, dass es zu solchen Richtlinien erst gar nicht kommt.
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Catweazle »

PS
Und nein, ich bin keine Wolfsromantikerin.
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Re: Was passiert mit HSH-Rentnern?

Beitrag von Steffi »

Und wenn sich nur ein einziger Anwohner durch das nächtliche Gebell der HSH gestört fühlt, kann das Vet-Amt die Haltung untersagen. Der Dumme ist immer der Schafhalter.

LG
Steffi
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