Photovoltaik Freiflächen

schafbauer
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Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von schafbauer » Do 9. Aug 2018, 07:43

Wie wirkt sich eine Photovoltaik Anlage auf einer Freifläche auf die darunter liegende Grasfläche aus?

Es sollte ja noch genug Licht und Wasser auf den Boden kommen um die schaferl zu ernähren? Wie werd3n die Flächen gepflegt bewirtschaftet? Was bekommt ihr bezahlt? Fressen die schafe die anlage an?

Bitte mal so einen Überblick.... LG
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Insane
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Insane » Do 9. Aug 2018, 08:26

Wie gut es da wächst, hängt maßgeblich von der Aufstellung der Paneele ab. Einzelreihen lassen mehr Platz und Licht, als die umgedrehten *V*-Reihen.

Das Gros der Grases wächst in den Gassen, unter den Paneelen sind es häufig in der Hauptsache Brennnesseln. Die Paneele selbst sind ein guter Sonnen- und Regenschutz. Achten sollte man darauf, dass sie nicht zu niedrig sind und zum springen verleiten und, dass die Kabel nicht raushängen oder Schlaufen bilden.

Sonst sind es tolle Flächen, weil es a) Strom und b) ist schon einen recht ordentlichen Zaun gibt.
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schafbauer
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von schafbauer » Do 9. Aug 2018, 11:35

:wink: wie sehen V Reihen aus?

mir wäre es in 1. linie recht wichtig wie man die flächen pflegt bzw wieviel überhaupt zu einer normalen fläche darauf noch wächst. es fehlt schon regen aber ich kann mir gut vorstellen dass die beschattung der grasnarbe auch nützlich fürs wachstum ist.

und wie aufwändig die sache ist. fressen schafe die kabel eigentlich an oder irgendwas davon? :koch:
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Insane » Do 9. Aug 2018, 13:37

Mit umgedrehtem V meinte ich, wenn die Module als Doppelreihe in beide Richtungen stehen und sich an den Oberkanten berühren.

Je nach Boden wächst schon einiges, inkl. kleiner Bäume, wenn es nicht gemäht/beweidet wird.

Bisher wurden keine Kabel angenagt, das hatten wir in einem "Versuchsjahr" auch getestet. Allerdings könnten behornte Schafe hängenbleiben.
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Steffi » Do 9. Aug 2018, 14:24

Behornte Schafe dürfen oft nicht auf PV-Anlagen!

LG,
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Niedersachse » Do 9. Aug 2018, 15:54

Hallo ci beweide seit 4 Jahren einen Solarpark , hab noch keine nachteiligen Sachen gemerkt, habe sogar das Gefühl das die Lämmer sich besser machen, ein Bekannter meinte das hängt damit zusammen weil die Tiere schatten haben und die Mütter weniger Stress wegen sonne und Hitze. Vom Wachstum her find ich es recht ordentlich. Und Zaun ist nicht zu schlagen.

LG

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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Heumann » Do 9. Aug 2018, 21:45

Größer Mist ist, dass PV-Anlagen nicht prämienberechtigt sind.

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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Niedersachse » Fr 10. Aug 2018, 07:39

Dafür zahle ich aber ja auch keine Pacht und der Park wird einmal im Jahr Nachgemäht wo ich mich nicht drum kümmern muss.

LG

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st68
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von st68 » Fr 10. Aug 2018, 20:45

Fang' ich mal von hinten an:
Niedersachse hat geschrieben:Park wird einmal im Jahr Nachgemäht wo ich mich nicht drum kümmern muss.
Gefährlich: Landschaftspflegebetriebe nehmen keinerlei Rücksicht auf den Futterbedarf deiner Schafe (erst recht nicht bei Futterknappheit) und mähen dann wenns ihnen passt. Gerne auch entgegen jeder Absprache mit dem Schäfer.
Niedersachse hat geschrieben:Dafür zahle ich aber ja auch keine Pacht
Soll aber schon Regionen geben, wo Schafhalter bereitwillig Geld für die Beweidung zahlen.
Niedersachse hat geschrieben:beweide seit 4 Jahren einen Solarpark , hab noch keine nachteiligen Sachen gemerkt
Also meine Schafe "hassen" den Solarpark und leiden sichtlich, wenn sie mal 2 Wolche darin (über)leben müssen.

Die Schafe sind permanent am umherrennen, weil keine Ruhe in die Herde kommen kann. Ständig müssen sie dem vor ihnen im Gestrüpp, oder um/hinter/unter Panel verschwindenden Schafhintern hinterherrennen. Mütter brüllen dauernd nach ihren Lämmern, die Lämmer finden keinen Weg zu ihnen. Die meißte Zeit vom Tag stehn sie vorne am Zaun (da wo die Luft noch luftig ist) fressen das Gras bis auf die Wurzeln ab und wollen wieder raus. Nur wenn der Hunger unerträglich ist ziehn sie mal nach hinten, um die Spitzen vom Gras anzuknabbern.

Klimatisch ist es ein Graus. Kein Wind der die Hitze unter, oder zwischen den Panelen wegwehen würde. Bei nassem Wetter trocknet kein Schafrücken. Im Winter kommt keine wärmende Sonne auf den Boden/Schnee. Die Mücken feiern 24 Stunden täglich ein Festmahl, ganz zu schweigen von Fliegen (Maden) und anderen Plagegeistern.

Tägliche Tierkontrolle ist ne reine Sisyphusarbeit und bei höherem Bewuchs unmöglich. Einzelne Tiere herausfangen zu wollen praktisch unmöglich.

Zäune sind (je nach Umweltauflage) nicht als Schafzaun zu gebrauchen und erst nach vielen Arbeitsstunden (Steine/Erde drunter anhäufen) als solcher nutzbar.

Sind die Schafe endlich wieder aus dem Solarpark raus sieht man ihnen förmlich an, wie sie Aufatmen und der Dauerstress von ihnen abfällt. Alle stellen (keins läuft auch nur einen Schritt) sich breit zum fressen auf die Wiese, um sich anschließend genauso breit zum wiederkäuen hinzulegen. Und keine der oben aufgeführten Unannehmlichkeiten quält sie mehr.
Schafbauer hat geschrieben:mir wäre es in 1. linie recht wichtig wie man die flächen pflegt
Realistisch: nur mit teurer Spezialtechnik, oder übermenschlichem Körpereinsatz. Weil (fast) in jedem Pflegevertrag drin stehen wird, dass auch unter den Panelen und zwischen den Pfosten, mindestens einmal jährlich eine maschinelle Mahd zu erfolgen hat. Umweltämter versuchen aber genau das so weit wie möglich zu verhindern/sabotieren, indem sie den ersten Mähtermin möglichst bis zum 1. September hinauszögern. Und dann hat man kein Gras mehr zu mähen, sondern Holz.
Schafbauer hat geschrieben:wieviel überhaupt zu einer normalen fläche darauf noch wächst.
Kommt ganz drauf an, was auf der Fläche voher drauf war. Guter Ackerboden lässt die Brennesseln Ende Mai schon höher wie die Panele stehen. In Kiesgruben wächst das ganze Jahr über gar nichts. Zwischen diesen Extremen liegt irgendwo das Optimum.

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Aber egal, wieviel Unannehmlichkeiten so ein Solarpark auch macht: Nach monatelanger Dürre und Null Futter auf der eigenen Weide, bin ich froh ihn exclusiv nutzen zu können und wenigstens die Unkosten bezahlt zu bekommen.

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Henry
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Re: Photovoltaik Freiflächen

Beitrag von Henry » Fr 10. Aug 2018, 21:46

Ich kann fast das ganze Gegenteil berichten, denn es kommt wohl bei den Solar-Parks ganz entscheidend auf die Bauart und die Bewirtschaftung an. Ich sehe die wie riesige Streuobstwiesen in Standbeweidung. Wir haben einen langfristigen Vertrag mit einer Betriebsgesellschaft. Deren Parks haben auf der Südseite eine Lichte Höhe von 1,28m (+- paar Bodenunebenheit) man kann also auch 109er Netze quer zu den Modulreihen ziehen, wenn man mag.

Unsere Schafe lieben es, in großen Gruppen im Schatten unter den Modulen zu liegen und sind ganz entspannt. Im Winter bleibt es dort schneefrei und selbst im schlimmen Regenguß fressen die unter den Modulen einfach weiter. An den Laufwegen kann man erkennen, daß sie immer mit den Modulreihen laufen, sich also oft absichtlich nicht in den Gassen aufhalten - außer sie fressen da. Über die Brennnesselproblematik hatte ich schon geschrieben. Das ist ein Problem und da muß man dran bleiben. Aber das geht.

Wir betreiben die Solarparkflächen als „Kurzrasenweide“ - ich versuche das zumindest. Die Besatzdichte wird also dem Aufwuchs angepaßt und es sind ganzjährig Schafe dort. Die jährliche Mahd bestimme ich im Zeitpunkt und und sie wird dennoch vom Betreiber getragen. Ziel ist es, mit weniger als einer Mahd pro Jahr auszukommen. Das Freihalten der Außenanlagen - also im Wesentlichen der 3,50 hohen Elektroalarmzäune - wird extra vergütet. Wir haben Strom und DSL da. Ich finds toll.

Ich finde das auch in diesem trockenen Jahr phantastisch, denn im Schatten der Module - also auch in den Gassen - ist es grün. Woanders gelb bis braun. Ich hole jetzt Schafe raus und laß die auf die vertrockneten Flächen. Wenn ich die in die Anlage zurückbringe kommt Freude auf - bei mir und bei denen.

Von Beweidung statt Mahd - also sehr viele Schafe hin, kurz drin lassen und wieder raus - halte ich nichts. Bei uns hat das nicht funktionier, weil der Aufwuchs in kritischer Höhe verholzt und dann auch nicht gefressen wird. Dann fressen die Schafe lieber nichts oder ganz selektiv Teilflächen bis zur Erde. Der Rest bleibt stehen und der Betreiber fragt sich, wer sich um die Beschattung kümmert. Stehen die Schafe immer da, siehts fast aus wir Rasen. Bei uns jedenfalls. (Und Überweidung ist Betreiberseitig gewollt!)
Henry
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Schafschützer

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