gelähmte Lämmer

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Insane
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Insane »

Mansion hat geschrieben:Der TA meinte, eigentlich hätten die Schafe hier eher einen Kupferüberschuss und Kupfer habe er auch nicht da.
Wohl aber Vitamin B (was es ja auch schon 2 x bekommen hat). Ist das B1 ? Oder ist das ein anderes Vitamin -B-Präparat?

Weiter weiß ich auch nicht. Aber sehr viel länger kann man nicht verantworten finde ich. Oder wie seht ihr das? Ich kann das Lamm ja schließlich nicht im Liegen großziehen :traurig: . Es sit jetzt schon 10 Tage alt und es versucht immer wieder auf die Beine zu kommen, aber es schafft es einfach nicht.

LG
Mansion
Ich sag jetzt nix zum Tierarzt...
Klarheit verschafft nur ein Blutbild. Ein normales Vitamin B Präparat hat leider viel zu wenig B1, daher lieber separat kaufen und geben. Zügig!
Das ist kein Heu in meinen Haaren - das ist Schäferglitzer :?:
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Henry
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Henry »

Mansion hat geschrieben:Wohl aber Vitamin B (was es ja auch schon 2 x bekommen hat). Ist das B1 ? Oder ist das ein anderes Vitamin -B-Präparat?
Es gibt mehrere B-Vitamine. B1 ist Thiamin(hydrochlorid). Im B-Komplex sind je nach Hersteller nur 8-20mg /ml B1 und jede Menge B12 enthalten. Die therapeutische Dosis B1 beträgt aber mind. 10mg/kgKG.

Wichtig ist Diagnose vor Behandlung. Rätselraten und Therapie ins Blaue sind unsinnig. Bei der Gabe von B1 ist der zügig eintretende Erfolg die Diagnose und der ausbleibende Erfolg der Ausschluß. Arbeite mal ordentlich diagnostisch: Möglicher Verdacht > Überprüfung durch Analyse (bei 1 = Therapie) > Therapieentscheidung > Überprüfung durch Analyse, nächster Verdacht ...

Was ergab die pathologische Untersuchung des gestorbenen Lammes? Wie sahen seine Muskelzellen, sein Blut, seine Leber, sein Hirn etc. aus. Es hat diese Informationen zur Verfügung gestellt. Wurden sie genutzt?

Aus LWK Niedersachsen (http://www.lwk-niedersachsen.de/index.c ... 15490.html):
Eine sorgfältige Diagnostik bei Schafen und Ziegen ist unerlässlich.
Erste Anzeichen sind nur schwer zu erkennen und werden häufig übersehen, die Indikatoren sind vielfältig. Der Tierarzt sollte um Rat gefragt werden, um den Mangel von Spurenelementen gezielt zu begegnen.

Die Hirnrindennekrose ist vornehmlich eine Lämmererkrankung und kommt durch einen Mangel eines Vitamins der B-Gruppe des Vitamin B1, auch Thiamin genannt, zustande. Das Thiamin wird teilweise mit der Nahrung aufgenommen und teils von Bakterien im Pansen gebildet. Es gibt drei Möglichkeiten, wie es zum Mangel kommen kann. Es fehlt in der Nahrung, es wird von Inhaltsstoffen von Pflanzen (Thiaminasen) gespalten oder der Pansen arbeitet nicht richtig, so dass die Bakterien, die sich bei gestörter Pansenfunktion dort ansiedeln, ebenfalls Thiaminasen produzieren. Fehlt nun das Vitamin, können Körperzellen nicht ausreichend mit Energie versorgt werden. Da die Gehirnzellen den höchsten Bedarf an Energiezufuhr haben, sind sie am stärksten betroffen. Und in der Großhirnrinde sterben sie als erstes ab. Dieses Absterben der Großhirnrinde führt zu den typischen Erscheinungen. Mit extrem nach hinten/oben überstrecktem Kopf liegen die Tiere auf der Seite mit Muskelzittern und Krämpfen, die sich geräuschabhängig verstärken können. Bei Nichtbehandlung verenden sie meistens. Die Erkrankung kann auch bei älteren Tieren auftreten, sieht dann auch genauso aus. Die Behandlung erfolgt über wiederholte Thiamingaben per Injektion am besten direkt ins Blut und ist durchaus erfolgreich, wenn sie früh genug erfolgt. Entsprechend der auslösenden Ursache, welche nicht klar zu benennen ist, sollte eine Fütterungsumstellung oder eine verbesserte Zufuhr von Thiamin vorgenommen werden.
von: Antje Hamann-Thölken
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Henry
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von grauwoller »

Das was dein TA gespritzt hat ist wohl Vit B Komplex, beinhaltet also Vit. B1.
Wenn wirklich einVit B1 Mangel vorliegt,müsstest dutäglich inkleiner Dosierung spritzen, und dies mit der Aufnahme von Gras, Heu etc. so langsam auslaufen lassen. Hatte ja selber bei einem Lamm gerade den Fall, da ist dann allerdings auch recht schnell eine Besserung eingetreten. Wenn es Vit B1 Mangel ist,musst du dir auch darüber klar sein, dass es das Mutterschaf ist,welches dafür verantwortlich ist, weil es zu wenig von diesen essentiellen Vitaminen in die Milch packt.
Du solltest aber nicht so schnel laufgeben, wenn das Lamm versucht aufzustehen,ist das doch auch ein gutes 'Zeichen. Wenn es mit gesenktem Kopf daliegt, apathisch wirkt, oder gar wg. Schmerzen mit den Zähnen knirscht, dann kommt vielleicht der Zeitpunkt?
Ein gutes Mutterschaf stimuliert seine Lämmer, indem es mit dem Vorderbein auf dem Rücken des Lammes "scharrt", wenn es der Meinung ist, es sollte zur Milchbar gehen.
Wenn dein Schaf das nicht macht,dann musst du den Part übernehmen: Versuche es aufzustellen,so dass es ans Euter kann, dabei kraulst du esw intensiv oberhalb des Schwanzansatzes. Wenn die Mutter nicht die Scham des Lammes ableckt, musst du selber unterm Lämmerschwanz mit den Fingern - gegebenenfalls mit Handschuhen - stimulieren. Es ist jetzt wichtig,dass das Lamm nicht dehydriert,also oft zumTrinken anhalten, dann hast du am ehesten eine Chance,das Lamm zu retten.
Ob jetzt nun B1 Mangel die Ursache ist, und wenn nicht,was dann die Ursache ist - schwer von der Ferne zu beurteilen. Aber nimm dir die Zeit, zur Not stellst du auf Flasche um, obwohl das eigentlich etwas spät ist, und wenn der Schluckreflex schon beeinträchtigt sein sollte, ist das auch mit Risiken verbunden.

ich wünsche dir viel Erfolg und drücke die Daumen, Christoph
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Mansion »

Danke für die vielen Tipps Christoph. Das Lamm kann inzwischen ca. 1 Minute stehen und die Muskeln werden stärker. Und ja, ich spritze das Vitamin B nun täglich in kleinen Mengen. Und aufgeben: das ist eigentlich immer meine letzte Idee, aber man will die Tiere ja auch nicht quälen.

lg
Mansion
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Thorsten »

Hallo Mansion,

super, dass Du so "hartnäckig" bist! So mancher (und ich schließe mich da mit ein) hätte wohl schon aufgegeben und das Lamm einschläfern lassen. Mich würde noch interessieren, wie alt das Lamm denn genau ist (oder habe ich das irgendwo überlesen?)

Beste Grüße,
Thorsten
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Henry
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Henry »

Wie geht es dem Lamm, wie war die Therapie?
Henry
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Lacki »

Hallo in die Runde, ich möchte dieses Thema auch noch mal aufgreifen.
Ich stehe wohl vor dem selben Problem. Vor 6 Tagen ist ein Lamm geboren, welches nicht aufsteht. Nachdem ich hier viele gute Tipps angelesen hatte, habe ich am Tag drauf den Tierarzt gerufen, dieser bestätigte meinen Verdacht des Vit B 1 Mangels. Gab mir zur Therapie "B-komplex (B1 forte)" von VeyFo Veyx. Empfehlung von ihm, 2 ml oral am Tag. Leider kann ich kaum eine Verbesserung feststellen. Weiter oben im Thread habe ich gelesen, dass gespritzt werden sollte und auch höher dosiert. Was sagt ihr dazu? Und wie schnell würde eine Besserung zu verzeichnen sein? Lamm ist ein Barbados Blackbelly mit ca 3 kg.
Liebe Grüße
Neuschafbesitzerin Maike
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Henry
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Henry »

Viel zu wenig B1.
Apotheke. Hersteller Hevert.
Frei verkäuflich.
200mg pro Ampulle.
1 Ampulle gleich s.c.
Dann alle 12h 100mg.
Dazu Kupfersulfatlsg. Oral
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Lacki »

Das von mir genannte Präparat hat auf einem ml 50 mg vit b 1, also bei 2 ml oraler gabe 100 mg....ich habe mich mittlerweile schon auf 200mg hochgearbeitet, da noch kein nennenswerten Erfolg zu verzeichnen war.
Magst du mir noch die Bemessungsgrundlage für das Kupfersulfat nennen, bevor ich hier lange stöber? Nur wenn du es weißt, natürlich!
Vielen herzlichen Dank :rose:
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Henry
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Re: gelähmte Lämmer

Beitrag von Henry »

20ml 1% Kupfersulfatlsg. pro Tag.
Besserung binnen 48 h.
Oder Fehldiagnose.

B1-Wirkung bei akutem Mangel in Altschafen binnen weniger Minuten. Spektakuläre Heilungen direkt nach der Injektion. Bei chronischem Mangel in der Entwicklung eher sehr langwierig.

Bleibende Beeinträchtigungen bei CCN oder swaggy back sind zu erwarten aber hinnehmbar.
Henry
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