Zucht im Herdbuch

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Fröschchen
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Zucht im Herdbuch

Beitrag von Fröschchen »

Gründe für mich:

* Wissenserweiterung Thema Zucht
* habe Rassen mit genetischer Enge (KAM + WHO): Inzuchtfaktor erkennen können/ abändern
* Vermeidung vielerorts hier unkontrollierter Vermehrung mit teils fragwürdige Anpaarungen
* Austausch mit anderen Züchtern/ Erkennen der rassespezifischen und wünschenswerten Merkmale
* lege Wert auf Schlachtlämmer, aber die Mutternbasis soll über die Zeit relativ konstant bleiben

Letztlich kostet's nicht die Welt, eher mehr Aufwand. Mach aber auch nur für Eigen-/ Familienversorgung. Und aus Freude.
(Und als Sorgenbrecher, wenn's persönlich rundum nur noch kracht.)

Hat wer von Euch die HB machen noch weitere Gründe?
Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein. (Albert Einstein)
Stockmann
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von Stockmann »

Das alles kann man machen ohne sich den Zwängen von Zuchtordnungen, deren Sinnhaftigkeit nicht in allen Punkten der Ratio entspricht, und nicht immer gut funktionierenden Funktionären unterwerfen zu müssen.

Dafür sprechen allerdings auch ein paar Gründe: Z.B. die Nutzung der digitalen Zuchttools (Ovicap), die Möglichkeit die eigene Zuchtpolitik mit Expertenwissen abgleichen zu können, beim Verkauf von Zuchttieren ist das Siegel Herdbuch ein Marketingtool umfür Kunden aus dem Profi-Bereich überhaupt interessant zu sein und das hilft auch bessere Preise zu erzielen.

Und wenn man es als Wert an sich ansieht, ein wenig dabei zu helfen, die Schafhaltung ein Stück weit aus ihrer unglaublichen Tradition an rationale Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen, gibt es auch persönliche Befriedigung und hält graue Zellen aktiv!? Hoffe ich!
Bei mir bleiben alle Schafe ungeschoren.
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von Steffi »

Bei mir sind die Schafe kleiner Nebenerwerb, die HB-Zucht Hobby. Den Schafen ist es wurscht, ob da nun ein gekörter Widder in die Herde kommt oder ein Feld-Wald-Wiesen-Jüngling.
Aber mir macht es Spaß, die vermeintlich beste Verpaarung herauszufinden, mit "Kollegen" zu fachsimpeln und aus guten Elterntiere bessere Lämmer zu ziehen. Man ist dann schon bei der Körung oder HB-Aufnahme ein bißchen stolz (obwohl die eigentliche Arbeit ja die Mutterschafe erledigt haben - auf die man natürlich auch stolz ist).
Ja, es ist Liebhaberei mit der HB-Zucht. Heißt aber auch, Tiere, die einem eigentlich ans Herz gewachsen sind, gnadenlos aus der Zucht zu nehmen, wenn was nicht so läuft. Wenn man sich´s leisten kann, läßt man solche Muttern als Kindertante mitlaufen - oder sie gehen halt nach Klein-Sibirien.
Papierkrieg ist schon nervig manchmal, aber das meiste davon hat man auch als ohne-Papiere-Züchter. Dafür können sich Kunden sicher sein, auch wirklich reinrassige Tiere zu bekommen. Was da manchmal z.B: auf ebäh angeboten wird, geht auf keine Kuhhaut.
Weiterhin für mich selbstverständlich: Mit Käufern in Kontakt zu bleiben, auch die Hundertdrölfte Frage zu beantworten. Hat sich schon so manche nette Freundschaft ergeben :)
Und einiges an Fahrtstrecke und Transportkosten muß man auch einkalkulieren, weil der hübsche Widder aus dem Nachbarort meistens keine Papiere hat und man unbedingt den vom anderen Ende der Republik haben will (seit der dämlichen Scrapie-Regelung ist es bei manchen Rassen nahezu utopisch, Tiere aus dem Ausland zu importieren).Dadurch läuft man teilweise Gefahr, im eigenen Saft zu schmoren und kaum noch Zuchtbasis zu haben. Deshalb überlasse ich reinen Schafliebhabern gern die Tiere, die fürs HB nicht tauglich sind (gerne als Hammel). Werden auch gern genommen.

LG
Steffi
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von grauwoller »

Ohne Herdbuchzucht kann man keine Schafrassen erhalten, das ist ja nun mal amtlich. Diejenigen, die auf jeden Fall reinrassige Tiere ihrer auserkorenen Rasse haben wollen, aber dann angeblich kein Herdbuch brauchen, profitieren letztendlich von unserer Zuchtarbeit.
Klar, manchmal bin ich auch genervt vom Papierkram, dem Wiegen müssen und den begrenzten Rassekenntnissen auf mancher Veranstaltung mit Publikum. Aber nur wenn jeder Züchter das Ergebnis seiner Zuchtarbeit neutral und im Vergleich mit Tieren aus anderen Herkünften, auf den Rassestandart hin überprüfen lässt, kommen wir weiter, bzw. erhalten wir unsere Tiere rassetypisch.

Christoph
smallfarmer
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von smallfarmer »

Das aus dem Mund eines Rauhwoller Züchters zu hören find ich ungewöhnlich. Ich weiss ich bin kein DDR Schaffachmann, aber wie war es denn, wurden die Rauhwoller im Osten Herdbuchmässig geführt. Ein paar , als Genreseve vielleicht. Aber meist waren es doch die Sturköpfe die nicht von der Rasse abgelassen haben. Im Westen das klassische Beispiel mit den Coburgern, in den sechzigern, siebzigern. Da gab es in Baden Baden den Ewald Svenson,
später dann hat er auch seinem Nachbarn Paul Golderer Schafe abgegeben, In Rheinlandpfalz eine Europ. Pioniersiedlung Reinighof. Alles keine einfach gestrickten Schäfer. Aber Die haben zum Erhalt der Coburger beigetragen, nicht etwa ein Landesschafzuchtverband.
Und seid doch mal ehrlich welcher Zuchtberater verweigert denn heute noch einem Newbie die Herdbuchzucht. Die sind doch alle froh das sie was zu tun haben. Wie willst du aus einem Herdbuchbestand von 3 bis 10 Muttern eine planmässige Zucht betreiben , geschweige denn was selektieren.
Nenne mir bitte einen europäischen Zuchtverband der sich um den Erhalt einer deutschen Schafrasse gekümmert hat? Was bitte gehen uns Kameruner,
Castle Milk Morrit und Quessant an? Aber die deutschen Kuschelschäfer die kümmern sich drum, die züchten alles. Hauptsache ich habe was , was du nicht haben kannst.
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von grauwoller »

Auf der einen Seite gebe ich dir Recht, smallfarmer: gerade die Sturköppe haben die robusten Landschafrassen am Leben gehalten. Aber die Rauhwoller hat man bis in die 60 er Jahre im Herdbuch geführt, dann dümpelte die Rasse so vor sich hin, bis man sie 1982 wieder zum Leben erweckt hat, die letzten verbliebenen Tiere auf Rügen zusammengekratzt hat, und das Herdbuch neu eröffnet hat. Da haben wir sicher diesen positiv verrückten Sturköpfen, wie Westphal auf Rügen und Svensson in Baden Baden zu verdanken, dass wir mit der Linie 2 und der Linie S mehr genetische Vielfalt aufweisen können, als ohne deren unverdrossenem Festhalten an "ihrem Typ Pommernschaf". Wenn allerdings diese beiden nicht im Herdbuch züchten würden, dann wäre ihr Treiben für den Erhalt der Rasse von geringerem Wert, weil ihre Herde halt nur von ihnen selbst, und nicht von neutraler Stelle auf das offizielle Zuchtziel hin überprüft wurde. Wer es aushalten kann, dass seine Tiere schlechtere Noten bekommen, weil sie vom offiziellen Zuchtziel abweichen, kann ja seinen eigenen Stil pflegen, ohne deshalb aus dem Herdbuch rausgeschmissen zu werden. Ich habe meine Herdengenetik mit einem Bock von Svenssons aufgehübscht, bzw. vitaler gemacht, werde aber aufgrund der hellen Flecken unter den Augen, die bei diesen Tieren öfter auftauchen, bei den Körungen gelegentlich abgestraft. Deshalb nehme ich zur Körung stets ein Taschentuch mit....
Wir brauchen die Sturköüfe und wir brauchen das Herdbuch, beides zusammen ist das Optimale. Mir imponieren Züchter, und nur das sind für mich die wahren Züchter, die nicht nach Noten oder zu erwartenden Noten selektieren, sondern ihren eigenen Stil pflegen.

Christoph
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Steffi
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von Steffi »

Hm, das mit dem "eigenen Stil" endet leider oft in etwas, das mit dem ursprünglichen Rasse-Ideal nur noch wenig zu tun hat. Aber ich denke, ich weiß, was Du meinst. Zucht heißt nicht Vermehrung, lädt aber zum Experimentieren ein. Je genauer man weiß, was man tut, desto eher erhält man die gewünschten Resultate.
Fehlfarbene Tiere sind manchmal hübscher als das "Original", man läuft aber Gefahr, sich da Überraschungen einzuschleppen. Auf der anderen Seite sind die ganzen Rassen ja auch irgendwann mal kreirt worden. Auch heute entstehen neue Rassen, Farbschläge und Fell/Wollvarianten, wäre ja sonst auch langweilig.
Es besteht auch die Gefahr, zu sehr auf Optik zu selektieren, gerade in kleinen Zuchten, und die wesentlicheren Dinge zu vernachlässigen. Was nützt mir ein optisch schönes Schaf, wenn es kaputte Klauen hat, ständig Geburtshilfe braucht, nicht genug Milch hat, nicht mütterlich genug ist und mir ständig Flaschenlämmer bringt? Auf der anderen Seite sehe ich nicht ein, ein Tier, das alle gewünschten "inneren Werte" mitbringt, aber einen kleinen optischen Magel hat, aus der Zucht zu nehmen, wenn sich dieser Makel bei keinem Lamm, auch nicht in der 3. und 4. Generation, auftaucht. Aber mit nur wenigen Tieren nimmt man sowas evtl. eher in Kauf, weil´s Schaf doch sooo schön ist (und die Lämmer auch)... Bei 500 und mehr Muttern fällt die Entscheidung, was zu tun ist, nicht so schwer, als wenn mit diesem Schaf 10% der Muttertiere ausfallen. Das ist in der Rasse-Geflügel-, Rassehunde- und Rassekarnickelzucht nicht anders. Es gibt immer welche, die den ursprünglichen Typ erhalten und solche, die die Rasse weiterentwickeln wollen.
Interessant sind die Vergleiche, wie die Rassen vor 100 oder 50 Jahren aussahen und wie heute.
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von grauwoller »

meist hat doch jeder Körmeister seinen eigenen Stil, bzw. sein Lieblingsschaf. Es gibt nicht wenige Züchter, die in der Annahme, bei der Körung würde das Evangelium verkündet, dann versuchen den Körmeister-Stil zu 100 % zu treffen. Ich habe auf jeden Fall das Zuchtziel im Auge, nehme aber gelegentlich äusserliche Abweichungen in Kauf, wenn ich die von Steffi so passend beschriebenen "inneren Werte" dafür geliefert bekomme.

Christoph
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Steffi
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von Steffi »

Ich kann mich davon ja auch nicht freisprechen, einige Tiere "hübscher" zu finden als andere. Ist halt persönlicher Geschmack. Oft ist das dann das Zünglein an der Selektionswaage und bei der Auswahl neuer Zuchttiere. Über die Jahre hat man dann immer mehr von diesem Typ. Ich schätze, jeder hat so seinen persönlichen Ideal-Typ im Kopf, ist ja auch nicht schlimm, sonst könnten wir die Schafis ja gleich klonen. Ich kenne bisher niemanden, der wirklich nur stur nach Zahlen und Daten geht und wirklich kein Lieblingsschaf in der Herde hat. Ein bißchen Liebe sollte immer dabei sein :)
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Re: Zucht im Herdbuch

Beitrag von grauwoller »

bei mir geht das Funktionale vor dem Optischen. Ich kenne den Standort in den Zickerschen Bergen auf Rügen, wo das Pommerscher Landschaf funktioniert, der ähnelt den Bedingungen in den Grinden im Schwarzwald, wo Ute Svensson ihre Pommern hält, doch sehr. Mein Anspruch ist, Tiere zu züchten, die in erster Linie auf o.g. Standorten funktionieren müssen, danach kommt gerne der im Zuchtziel beschriebene typische Pommern-Phänotyp. Wie schon beschrieben, bringt mir das Einlassen auf die Linie S aus Baden Baden ein paar phänotypische Unruhe-Herde mit - vorwiegend "english blue - die immer wieder zum Vorschein kommen. Es ist dabei meine Verantwortung als Züchter, diese Punkte offen anzusprechen, wenn ich ein Tier zur Zucht verkaufe, damit der Züchter weiss, was kommen kann. Über die "inneren Werte" schweige ich allerdings auch nicht, denn deretwegen betreibe ich ja den ganzen Aufwand,

Christoph
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