Jakobskreuzkraut

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st68
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von st68 »

https://www.arte.tv/de/videos/078695-00 ... t-zurueck/


Geht in dem Video zwar nicht ums JKK, sondern um die feuchten Träume der Rewildingfetischisten. Ab ca. ab Minute 13 werden die Pferden in Oostvaardersplassen gezeigt, wie sie in Wäldern aus JKK weiden. Dass das Zeug da nur wuchert, weil alles andere total überweidet wurde, wird natürlich nicht gesagt.

Der Erfinder dieser Tierquälerei, stellt sich da jedenfalls vor die Kamera und behauptet, dass das JKK nie ein Problem sein wird, weils naturgesetzlich nur alle 3 Jahre hochkommt und dann wieder von ganz allein verschwindet. Hat er recht, oder ist das wieder nur so eine Propagandalüge, von ihm?

Also bei mir (und überall hier in der Gegend) wirds kontinuierlich mehr. Um nicht zu sagen: exponentiell. Vor allem da, wo trotz jahrelanger Extremdürre, viel zu oft und zu tief gemäht/abgeweidet wird, wächst das Zeug bald in Monokultur.
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Schnuckenlady
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von Schnuckenlady »

Zu dem Video von arte kann ich nichts sagen. (leider sind mittlerweile auch die Dokus auf arte nicht mehr das wäre.)
mir selbst ist zwar auf den eigenen Flächen schon aufgefallen, dass bestimmte Bereiche nur jedes zweite Jahr auch blühende Pflanzen aufweist. (soweit ich weiß Ist es ja auch zweijährig, also kein dreijähriges wachsen und dann komplettes absterben in der Region) dementsprechend ist es schon so, dass es mal mehr oder weniger ist, aber nie ganz weg, selbst bei regelmäßiger Eliminierung. :nudelholz:
Trotzdem ist mir auch aufgefallen, dass eben stark "kranke" Flächen viel mehr jkk aufweist, was ja auch logisch ist, da freie Erdfläche immer besiedelt wird und meist auch dann von unerwünschten Pflanzen.

Sehe ich was, entferne ich es. Ich gehe aber nicht direkt auf die Suche danach
https://www.selfandhandmade.de

Fehler sind dafür da, um draus zu lernen!
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von B-Johanna »

Gehe da mit Schnuckenlady einig,
wobei ich immer vor Weideumtrieb die Flächen abgehe und falls ich eine Rosette finde, wird diese sofort ausgestochen.
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Henry
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von Henry »

dicke wolke hat geschrieben: Mo 24. Aug 2020, 19:45Menschlinge sind da viel empfindlicher als Schafe :koch:
Ist das wirklich so? Wieviel des Krautes töten denn einen Menschen? (Frage für einen Freund.)
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von Stockmann »

Henry hat geschrieben: Di 25. Aug 2020, 08:37
dicke wolke hat geschrieben: Mo 24. Aug 2020, 19:45Menschlinge sind da viel empfindlicher als Schafe :koch:
Ist das wirklich so? Wieviel des Krautes töten denn einen Menschen? (Frage für einen Freund.)
Das weis man nicht so genau. Ab welcher Menge jedoch ein Dachschaden auftritt, könnte man feststellen wenn man den Menschen aus dem Video fragt wieviel er gegessen hat. Wir haben mehrere Jahre ohne Unterbrechung mit der gesamten family ausgerissen und säckeweise tief im Boden verklappt und sind es jetzt fast los. Aber auch nur fast! Wir hatten im letzten Jahr im Dorf tote Pferde weil das Zeug als Heu ihnen zwar mundet aber sie relativ schnell tötet. Schafe sind wohl wesentlich widerstandsfähiger.
Bei mir bleiben alle Schafe ungeschoren.
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von SchnuckenschäferROW »

In der Literatur steht, dass das JKK von den Weidetieren gemieden wird. Meine haben die Literatur nicht gelesen...

Sie fressen es fast immer als erstes ab, teils setzen wir die Herden explizit zur Bekämpfung ein, sie werden dafür z.T. extra gebucht. Sicherlich nicht immer mit den besten Zuchttieren, aber irgendeine Herde mit Fressern wie Merzen, Schlachtlämmern oder Ziegen ist dafür immer frei. Und dann macht es am Ende ja auch die Höhe der Dosis. Um so größer die Herde, desto weniger nimmt das einzelne Tier auf.

Negative Langzeitwirkungen bei Tieren, die das seit Jahren immer wieder fressen, konnten wir bisher nicht beobachten und Futter machen wir auf so mageren Standorten, wo das Zeug massenhaft vorkommt garnicht, weil das grundsätzlich lohnt (Ertrag pro Hektar).
Seelig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer!
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von Fenja »

dicke wolke hat geschrieben: Mo 24. Aug 2020, 19:45 Schafe fallen nicht tot um wenn sie JKK fressen, aber das Gift wird nicht ausgeschieden sondern in der Leber gespeichert. Die Menge macht das Gift. Und wenn man selbst das Fleisch der Schafe essen will sollte man sie nicht mit JKK füttern, Menschlinge sind da viel empfindlicher als Schafe :koch:
Aber soweit ich gelesen habe, Reichert es sich nur in der Leber an. Vielleicht sollte man die dann nicht mehr essen.
:Kuh:
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Re: Jakobskreuzkraut

Beitrag von moony »

2017 gab es die "Göttinger Kreuzkrauttagung" mit internationale Fachreferenten und mit allem pipapo.

Besonders anfällig ist wohl Grünland, das noch nicht lang Grünland ist ("junge" Umwandlungen von weniger als 20 Jahren, Flächen mit starker Überweidung)
Dort wurde gesagt, dass man mit dem Ausreißen schon enorm hinterher sein muss, und es mind. 15 Jahre ein Kampf gegen Windmühlen ist: JKK bildet Samenbanken im Boden die geschätzt (Stand 2017, wies heut aussieht weiß ich nicht) 15 Jahre lang aktiv sind. Man muss also reißen/spritzen/abflämmen/sonstwie vernichten bis sich die Massen an Samen im Boden abgebaut haben. Problem beim ausreißen/stechen ist, dass man damit wieder neue Offenstellen schafft, in die sich das Zeug aussät.. Oder man sät bewusst genau dort etwas neues, konkurrenzstarkes aus.

Erfolgreicher ist wohl Düngen, JKK ist nicht sehr gut an hohe Stickstoffmengen angepasst. Auch Spritzen hat Wirkung. Relativ sinnvoll ist wohl auch die Förderung von Konkurrenzpflanzen, die schnell offene Stellen schließen und eine dichte Grasnarbe bilden (zB weißer Klee).

Bei dauerhaftem Verzehr sterben zumindest Schafe nicht sofort. Es lagert sich tatsächlich in der Leber an und führt irgendwann zu Krebs, akute Vergiftungen mit Todesfolge sind selten und bei Schafen (im Gegensatz zu Pferden) noch nicht beobachtet. Viel eher ist die negative Wirkung auf Fruchtbarkeit und allgemeine Konstitution, Parasitentoleranz und wohl auf Gwichtszunahme, aber bei Schlachtlämmern/Merzungen wohl kein Problem. Mensch sollte bei solchen Tieren einfach die Leber nicht essen. Grundsätzlich treten Pyrrolizidinalkaloide aber wohl überall (Honig, Tee, Milch, Fleisch...) in Spuren auf.

Das waren so die wichtigsten Ergebnisse der Tagung. Wie realitätsgetreu das nun ist, kann ich nicht sagen, vor allem nicht in Bezug auf Schafe.

Mit unseren Rindern verfahren wir ähnlich wie Schnuckenschäfer. Die Rinder, die eh weg kommen sollen, beweiden die Flächen mit JKK. Überweidung sollte vermieden werden, damit konkurrenzfähge Pflanzen nach und nach das JKK verdrängen und die Grasnarbe so dicht wie möglich ist. Auf Flächen, wo ab und an mal welches wächst wird ausgerissen und weit weg entsorgt. Scheint über längeren Zeitraum gut zu funktionieren, zumindest waren unsere Flächen mal gelber. Die Beobachtung, dass bereits lang etabliertes Grünland selbst mit Offenstellen weniger stark bis gar nicht betroffen ist, kann ich teilen- nur die "neuen" Flächen haben mit JKK zu kämpfen. An Verkehrswegen ist die Belastung höher, da Samen besser verschleppt werden isb. Autobahn, Bahnstrecke und Bundesstraße.
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